Das war die Saison 2000/2001


Splitter


Zwar waren Geoff Sarjeant (wegen seiner unglaublichen Paraden) und Todd Simon (wegen seiner zwei verwandelten Penaltys) die beiden Matchwinner beim 2:1 Sieg über die München Barons, gefeierter Mann im Penaltyschiessen war allerdings auch Martin Sychra. Der Tscheche traf gleich zweimal und sorgte so überhaupt erst dafür, dass die Moskitos im Match bleiben. Sein Geheimrezept gegen den ebenfalls sehr starken Boris Rousson, der platzierte Beinschuss. "Er war immer sehr flink mit den Schonern, da wusste ich, dass er zwischen den Beinen eine kleine Lücke lassen muß", berichtete der Stürmer, und das habe ich halt eben zweimal ausgenutzt.

Bewegung im Moskitos Kader, Miller kommt, Meluzin geht


Die Spatzen pfiffen es bereits von den Dächern, jetzt ist es endgültig perfekt. Kurtis Miller wechselt zum Essener Westbahnhof. In den vergangenen Wochen hielt sich ja bereits hartnäckig das Gerücht über eine mögliche Verpflichtung des 30-jährigen US-Amerikaners. Am Montag unterzeichnete der zweifache Familienvater einen Vertrag bis zum Ende der Saison. „Er war mein Wunschspieler. Wir brauchen jetzt keine Leute, die schönes Eishockey spielen, sondern die kämpfen“, urteilt Mike Zettel, „und genau so ein Typ ist unser Neuer.“

Kurtis Miller Spieler in den vergangenen Wochen für den ERCS Amberg in der Regionalliga Süd, wollte aber unbedingt wieder zurück in die DEL. Allerdings wollten die Süddeutschen zunächst eine Ablöse für den Angreifer. „Die haben wir jedoch nicht gezahlt. Er wechselt zum Nulltarif zu uns“, betont ESC-Pressesprecher Bernd Werner. Entscheidender Faktor bei der Verpflichtung von Kurtis Miller war seine Deutschland Erfahrung. In der Saison 1998/1999 stand Miller beim Iserlohner EC in der 2. Bundesliga unter Vertrag, erzielte dort auch satte 40 Tore. Diese Empfehlung brachte ihm schließlich einen Vertrag in der DEL ein. Bei den Augsburger Panthern kam der 1,82 m große und 90 kg schwere Stürmer auf 18 Scorerpunkte (12 Tore / 6 Assists) in 59 Partien. Dazu sammelte er allerdings auch 97 Strafminuten. „Auch ein Beleg dafür, dass er eher ein physischer Spieler ist“, so Bernd Werner. An der Verpflichtung Millers waren übrigens nicht nur die Moskitos interessiert., auch der Iserlohner EC und die Schwenninger Wild Wings buhlten eifrig um die Dienste des US-Amerikaners. Pikant, dass der Neu-Moskito seine Premiere für den ESC am kommenden Freitag ausgerechnet im Schwarzwald feiern wird. Sein erstes Training in Essen absolviert Miller am Dienstag.

Nicht mehr mit dabei ist dann Roman Meluzin. Der tschechische Stürmer hatte bereits vor einigen Wochen um Vertragsauflösung gebeten, da er sich in der DEL sportlich nicht wohl fühlt. „Ich zeige einfach nicht die Leistung, die ich bringen kann. Ich komme mit der Art und Weise des Eishockeys hier in Deutschland nicht zurecht“, erklärt der 28-jährige Ex-Weltmeister. In der Vorsaison hatte der Techniker im Trikot von Tappara Tampere über 5ß Scorerpunkte erzielt, gehörte wohl zu den begehrtesten Spielern überhaupt in der finnischen Suomi-Liiga. Weil die personelle Situation bei den Moskitos einen schnellen Wechsel nicht zuließ, stellte sich der Tscheche weiter in den Dienst der Mannschaft und erfüllte bis zum Match in Augsburg seine vertragliche Pflicht. „Das war sehr professionell von ihm“, findet Mike Zettel. Sein sportliches Glück sucht Roman Meluzin jetzt in seinem Heimatland. Alles Gute!

Mike Zettel wird Cheftrainer der Moskitos


Kaum zu glauben, aber wahr. Mike Zettel ist erst der zweite Cheftrainer der Moskitos. Nachdem Jan Benda den Club seit 1994 an der Bande betreut hatte und den Aufstieg in die DEL erst ermöglicht hatte. trat der gebürtige Tscheche vor rund zwei Wochen nach der 2:4 Niederlage gegen die Eisbären Berlin von seinem Posten zurück. Mit dem 48-jährigen Zettel verpflichten die Moskitos hierzulande keinen Unbekannten. Der Kanadier trainierte von 1990 bis 1995 dir Krefelder Pinguine, trainierte nach einem mehrjährigen Intermezzo in der Schweiz noch für genau ein Jahr die Revier Löwen Oberhausen. Wegen privater Probleme kehrte Zettel im Winter 98/99 zurück in seine Heimat. Mit den Moskitos will der ehrgeizige Eishockeylehrer jetzt den Weg in angenehmere Tabellenregionen antreten.

Unauffällig, aber effektiv: Jarkko Savijoki


Gäbe es in der DEL eine Kategorie für den unauffälligsten, aber effektivsten Spieler, Jarkko Savijoki würde mit Sicherheit einen der vorderen Plätze belegen. Der 31-jährige Finne spielt so extrem mannschaftsdienlich, dass er selbst den eigenen Fans so gut wie gar nicht auffällt. Dem Gegner dafür um so mehr: Sobald Savijoki auf dem Eis steht, brennt in der Defensive der Moskitos gut wie gar nichts an. "Wenn Jarkko spielt, dann kann ich meist sehr entspannt zurücklehnen. Der arbeitet so zuverlässig wie kein anderer", freut sich Jan Benda über seinen Neuzugang aus der finnischen SM-Liiga. Dort steht bekanntlich sein Sohn Jan Benda junior bei Jokerit Helsinki unter Vertrag, und der eigene Filius betätigt sich zwischendurch gerne mal als Scout für den eigenen Vater. "Savijoki unbedingt verpflichten. Mit dem kann man gar nichts verkehrt machen", riet der deutsche Nationalspieler im Frühjahr, als die Moskitos ihr Team mit einem zuverlässigen Zwei-Wege-Stürmer verstärken wollten. Konsequentes Vorchecken, hartes Arbeiten an der Bande, exzellente Technik sowohl auf den Kufen als auch an der Scheibe, dazu erfreulich wenig Strafzeiten, das alles zeichnet den gelernten Center aus.

Der allerdings Scorerqualitäten hat. In der Saison 1997/1998 avancierte er im Trikot von HPK Hämeennlinna zum Topscorer der European Hockey League, in der vergangenen Saison kam er immerhin auf 36 Punkte in 59 Spielen. Dazu stürmte er an der Seite von Tomas Vlasak und Roman Simicek, was die sportliche Integration in Essen erleichterte. "Auch hier hat er ja mit Martin Sychra und Roman Meluzin zwei Tschechen an seiner Seite. Da brauchte er sich nicht so groß umstellen", meint Jan Benda. Trotzdem ist der Wechsel in die DEL, sein erster Wechsel ins Ausland überhaupt, für Jarkko Savijoki ein großer Schritt gewesen. "Denn hier wird schon deutlich anderes Eishockey gespielt. Wesentlich offensiver und bei weitem nicht so taktisch diszipliniert wie in Finnland", findet der Center, "trotzdem gefällt mir das Eis-hockey hier. Es ist sicherlich spektakulärer." Mit der Entscheidung, aus Finnland den Sprung in die eher nordamerikanisch geprägte DEL gewagt zu haben, ist Jarkko Savijoki insgesamt also sehr zufrieden. Vielleicht auch, weil Typen wie er eher selten und dadurch recht begehrt sind. "Meine Familie und ich fühlen uns hier in Essen sehr wohl. Ich würde in der kom-menden Saison schon gerne wieder zurückkommen" unterstreicht der Finne. Ein Wunsch, der durchaus Realität werden könnte. Und dazu muss Jarkko Savijoki noch nicht einmal sonderlich auffällig spielen.

Martin "Doppelpack"


Wie wäre es mit einem neuen Spitznamen für Martin Sychra? Vorschlag von den Moskitos-NEWS: Martin "Doppelpack". Denn wie schon beim Auswärtsspiel in Augsburg traf der flinke Tscheche auch bei den Eisbären im Mitteldrittel gleich zweimal. Mittlerweile hat der Aussenstürmer, der in der letzten Saison noch so sehr vom Pech verfolgt war, sein Torkonto auf fünf Treffer erhöht. Möglich hat es bei den Eisbären allerdings eine insgesamt tolle Vorstellung der Sturmreihe um Martin Sychra, Jarkko Savijoki und Roman Meluzin. "Jarkko harmoniert mit den beiden so gut, weil er auch zuletzt in Finnland mit zwei Tschechen in einer Reihe gespielt hat", weiss Jan Benda. "ohnehin ist Jarkko seit Saisonbeginn unser konstantester Mann. Er spielt jede Partie auf einem gleichen, sehr hohen Level. Ich bin hochzufrieden mit ihm".

Endlich der erste Einsatz des Goalies in der DEL


Etwas grimmig schaute er nach seinem ersten Spiel trotzdem aus der Wäsche: Leonard Wild, der 20-jährige Keeper der Moskitos. Ausgerechnet während des Penaltyschiessens war er von Trainer Jan Benda zurück auf die Bank beordert worden, für die beiden letzten Versuche der Eisbären kam der erfahrene Geoff Sarjeant. Genau in dieser Situation merkte man dem Youngster seinen ganzen Ehrgeiz an. Wütend hämmerte er erst den Schläger gegen den Pfosten, ehe er sich auf der Ersatzbank verkroch. "Natürlich war ich im ersten Moment stinkig. Aber das war ganz schnell vergessen, schließlich hatten wir damit ja Erfolg. Ich bin da echt nicht nachtragend", berichtet "Hardi". Schließlich siegten die Essener am Ende mit 7:6 und nahmen zwei wichtige Punkte mit. Vor allem dank Leonard Wild. Eigentlich sollte der junge Keeper am Freitag bei den Iserlohn Roosters seine Feuertaufe absolvieren. "Da hatte ich geplant ihn zu bringen. Aber der Spielverlauf am Sonntag hat dann alles über den Haufen geworfen", berichtet Jan Benda. Nach dem völlig verschlafenen ersten Drittel wollte Benda ein Zeichen setzen und wechselte Geoff Sarjeant gegen den Youngster aus. "Der Trainer kam direkt nach dem Drittel zu mir und sagte mir, dass ich mich bereit machen soll", meint Wild.

Und keine schon Spur von Nervosität so unmittelbar vor dem ersten richtigen DEL-Einsatz ? "Ach wo, schließlich stand es bereits 1 zu 4 gegen uns. Da konnte ich ja nichts mehr verlieren", meint der gebürtige Garmisch-Partenkirchener. Keine 12 Sekunden dauerte es übrigens, bis auch "Hardi" zum ersten Mal auf dem Eis die Arme in Höhe recken durfte, Scott Pearson startete mit seinem Solo zum 2:4 (21.) die Aufholjagd. "Danach hat die Mannschaft nicht nur nach vorne super gespielt, sondern auch toll defensiv gearbeitet", so Leonard Wild. Das Konzept von Jan Benda, mit dem Torwartwechsel endlich die nötige Dynamik ins ESC-Spiel zu bringen, ging voll und ganz auf. "Wir wussten, dass da jemand im, tor steht der sein Debüt feiert. Da ist man immer besonders aufmerksam, das ist völlig normal", erklärt Todd Simon. Das Debüt von Leonard Wild wäre übrigens beinahe noch voll in die Hose gegangen. Im Schlussdrittel drehten die Eisbären das Spiel noch einmal um und führten kurz vor Ende mit 6:5, ehe Simon der umjubelte Ausgleich gelang. "Da habe ich mich natürlich auch riesig gefreut. Im ersten Einsatz direkt ein Punktgewinn, das ist es doch", konnte "Hardi" am Ende aber doch wieder strahlen. Sicher auch, weil er durchweg gute Kritiken bekam.

"Er hat wirklich toll gehalten", bestätigte Teamkamerad Daniel Körber genauso wie Trainer Jan Benda: "Er hat seine Trainingsleistungen voll bestätigt. Er hat uns 40 Minuten sehr geholfen, ich bin absolut zufrieden mit seiner Leistung". Vielleicht konnte es "Hardi" dann auch wieder verschmerzen, dass er im Penaltyschiessen dann doch wieder auf die Bank musste. "Es war ja nicht gegen ihn gerichtet, ich wollte lediglich die Berliner nervös machen. Anders herum hätte ich es auch getan, hätte dann eben Hardi für Geoff gebracht", betont Jan Benda, "außerdem weiß jeder, dass Hardi der größte Teil des Sieges gebührt." Deswegen auch von uns: Glückwunsch für Dein DEL-Debüt!

Nervenschlacht im Wellblechpalast, Moskitos siegen bei den Eisbären mit 7:6


Berlin ist einfach immer eine Reise wert. Nachdem die Moskitos schon am zweiten Spieltag mit 3:2 nach Penaltyschiessen bei den Berlin Capitals gewonnen hatten, sicherten sich die Essener Kufencracks auch bei den Eisbären zwei wichtige Zähler nach Verlängerung. Mit 7:6 setzte sich der ESC in einer wahren Nervenschlacht durch und feierte den dritten Sieg in Serie.

Es war eine Partie mit absolutem, Erinnerungswert denn beide Mannschaften fühlten sich mal als sicherer Verlierer, Minuten später dann aber wieder als sicherer Sieger. Wobei die Moskitos den eindeutig schlechteren Start erwischten. Nach dem ersten Durchgang führten die Eisbären bereits mit 4:1, ehe eine Kabinenpredigt von Jan Benda die Mannschaft aufweckte. Die war auch bitter nötig, schließlich waren die Essener in den ersten 20 Minuten meist lustlos und ohne jeden Kampfgeist über das Eis gefahren. "Da fielen deutliche Worte, aber die waren auch angemessen", erinnert sich Todd Simon. Dazu wechselte der ESC-Chefcoach auch noch die Keeper: Für Geoff Sarjeant kam der junge Leonard Wild, der bei seinem ersten Einsatz eine prächtige Leistung ablieferte. Natürlich bekam der 20-jährige Youngster auch die nötige Unterstützung von seinen Vorderleuten, die endlich konsequent in der eigenen Defensive arbeiteten. Und vorne endlich eiskalt zuschlugen: Nachdem Scott Pearson 12 Sekunden nach Wiederanpfiff die Aufholjagd eingeläutet hatte, besorgte Martin Sychra mit einem Doppel-schlag (24. / 29.) sogar den Ausgleich.

Im Schlussdrittel gingen die Moskitos durch Jean-Francois Quintin sogar zum ersten Mal in Führung (42.). Doch statt diesen Vorsprung vielleicht weiter auszubauen, ließ sich der ESC in der eigenen Abwehr einschnüren. Berlin spielte Alles oder Nichts und schaffte tatsächlich noch einmal die Wende. Erst machte Steve Walker den 5:5 Ausgleich perfekt (54.), dann staubte Chris Govedaris sogar um 6:5 ab (57.). Die Partie schien gelaufen, ehe die Moskitos mit sechs Feldspielern in der Schlussminute noch einmal gewaltig Druck machten. Erst scheiterte Esa Tikkanen aus kurzer Distanz, doch der NHL-Veteran konnte den Puck noch hinter das Tor zu Todd Simon lupfen der dann per Bauerntrick den Ausgleich klarmachte.

Im Penaltyschiessen setzten sich dann die Moskitos durch. Nicht ganz überraschend trafen bei den Essenern mit Roman Meluzin, Martin Sychra und Jarkko Savijoki exakt die Schützen, die auch während der regulären Spielzeit die besten Akteure im ESC-Trikot waren.

Brutaler Raubüberfall: Moskitos Tageskasse und Sauerland-Vorverkaufsgeld gestohlen


Tatort Eissporthalle. Nach dem Saisonauftaktspiel gegen die Nürnberg Ice Tigers, das hauchdünn mit 2:3 verloren ging, herrscht angesichts der guten Teamleistung Partystimmung im neuen VIP-Raum der Moskitos. Bis nach Mitternacht wird gefeiert, gefachsimpelt für die Zukunft geplant. Dann kommt es knüppeldick für die Moskitos.

Geschäftsführer und Schatzmeister Ralf Blobel bringt in Begleitung von zwei Mitstreitern die Tageseinnahme und wichtige Belege in Taschen zu seinem Auto. Plötzlich wird er angerempelt und mit Tränengas besprüht, ihm wird schwarz vor Augen. Der, oder die Täter ergreift die Taschen und verschwinden zu Fuß unweit der Bahnlinie.
Rund 120.000 Mark, die Tageskasse sowie der Vorverkauf für das Sauerland Duell sind weg. Ralb Blobels Hilferufe werden von den Polizisten in einem Streifenwagen nur wenige Meter vom Geschehen entfernt, erhört. Es gibt sofort Alarm und eine Ringfahndung, aber Täter und Geld bleiben wie vom Erdboden verschwunden. Mein einem Schock und erheblichen Sehproblemen und Augenreizungen kommt das Moskitos Vorstandsmitglied in Krankenhaus.

Nach einem Tag wird er zwar aus dem Krankenhaus entlassen, der Schreck sitzt aber tief. Derweil verfassen die Moskitos eine Presserklärung, Präsident Thomas Schiemann hat fast der Schlag getroffen. „Was sind das für Menschen, die so etwas tun?“ fragt er und wartet bis heute auf eine Antwort. Auch die ausgesetzte Belohnung (30.000 DM) für die Wiederbeschaffung des Geldes und das Ergreifen des (oder der) Täter hat nicht gebracht. Das entwendete Kassengeld ist nicht durch eine Versicherung gedeckt. In der WAZ müssen sich die Moskitos vehement gegen das Gerücht wehren, der dreiste Überfall sei fingiert.
Als dann am Samstag auch noch die Hiobsbotschaften von der materiell völlig neben der Finanzplanung der DEL und vom vorläufigen Ausfall der Vermarktung der Bully-Punkte auf der Eisfläche bekannt werden, sitzt der Frust bei den Verantwortlichen des Vereins noch tiefer. „Das war ein ganz trauriges Moskitos-Wochenende“, hält Thomas Schiemann, trotz des sportlichen Erfolges, fest. Denn der Gesamtverlust dieses kostspieligen Wochenendes macht sich in den Büchern und Etatplanungen mit weit über einer Million Mark bemerkbar – Existenzkampf ist angesagt….

Der Euphorie folgte beim Aufsteiger die Erüchterung


Die Euphorie war zum Saisonstart der Moskitos in der DEL riesengroß, der Stachel der Enttäuschung saß zum Saisonende tief. Trainer Jan Benda, bis dahin mit dem unbefleckten Ruf des Moskitos- und Meistermachers behaftet, setzte bei der Personalpolitik überwiegend auf seine tschechischen Landsleute. Weltmeister von einst, Routiniers und ergänzt durch dynamische Junge Leute mit NHL-Erfahrung. Dieses Konzept sorgte zunächst im bundes-deutschen Spitzeneishockey für Aufsehen, waren doch schon einige Teams, die auf die „Karte Osteuropa" gesetzt hatten, durchgefallen. Die Moskitos als Aufsteiger und amtierender Meister des Deutschen Eishockey-Bundes setzten zunächst alle Unkenrufer ins Abseits.

Sie mischten in der Renommierklasse munter mit, feierten Siege beim Deutschen Meister Mannheimer Adler, gegen den Titelfavoriten Kölner Haie fegten Spitzenreiter Capitals aus Berlin vom Eis hatten zwischenzeitlich gar einen Tabellenplatz in der vorderen Hälfte der Tabelle und es gab nicht wenige, die am West-bahnhof (Spieler und auch Fans) ihren Wunschtraum vom Erreichen der Playoffs öffentlich zugaben. Der Vorstand um Thomas Schiemann warnte eindringlich vor diesen übertriebenen Vorstellungen, wies deutlich auf die Überlänge der Saison hin und erinnerte deutlich an das ausgegebene Saisonziel: Nicht absteigen, Platz 14 unter den 15 DEL-Klubs erreichen. Zunächst schien das alles kein Problem zu sein für die Männer um Svoboda, Toth, Sejba, Scerban und Draisaitl. Eine verflixte Verletzungsserie brachte dann das Team in Verlegenheit. Vom "Favoritenschreck" wandelte sich das Bild zum "Kanonenfutter". Die Mannschaft verlor nicht nur viele Spiele, über das „Wie" wurde am meisten diskutiert. Ihr vorhandenes Können hatten die Eishockeycracks vorher bewiesen, wie war‘s um das Wollen, um den Kampf um (fast) jeden Preis bestellt? Das Präsidium, das immer pünktlich alle Verpflichtungen erledigte und der Trainer wurden erbärmlich im Stich lassen. Manch ein Profi wirkte auf dem Eis wie ein Waschlappen. Der eine oder andere lief Kringel, kam sich vor wie beim Schaulaufen von Hobby-Eiskunstläufern. Die Chemie im Team stimmte nicht mehr, die Moskitos wurden durchgereicht bis zum letzten Tabellenplatz. Waren es vorher in 1999 die Oberhausener Revier Löwen, die um rund 20 Punkte abgeschlagen die "rote Laterne" innehatten, waren es nach dem Jahreswechsel die Essener, die sang-und klanglos auf auf den Abstiegsrang rutsch-ten.

Ein Lob muss man den Fans und deren Durchhalteparolen aussprechen. Während sich die Offiziellen von Vorstand und Trainergespann hinter den Kulissen die Köpfe zerbrachen bei der Suche nach Fehlern, selbst welche eingestanden und alles Erdenkliche versuchten, die Eishockeyspieler wieder zu motivieren, wurde die Leistung der Moskitos erst besser (mit lang ersehnten, aber viel zu späten Erfolgserlebnissen), als das Saisonende und somit Vertragsverhandlungen einzelner Akteure anstanden. Das Thema DEL hatten die Verantwortlichen gesichert, am "grünen Tisch" wurde die letzte Chance genutzt und für den Klassenerhalt gesorgt. Hubert Wildschütz

Time to sac goodbye: Kapitän Bodo Mueller-Beonigk feht von Bord.....


Es war einer der Meldungen, die jedem echten Moskito-Fan in der Seele ein bisschen weh getan haben. "Bodo Mueller-Boenigk wird den ESC verlassen", hieß es bereits wenige Wochen nach Ende der Saison. Damit ging der letzte Moskito der ersten Stunde von Bord. 1994 war der Verteidiger mit dabei, als die Moskitos in der damaligen 2. Liga Nord den Neustart des Essener Eishockeys einläuteten. Sechs Spielzeiten trug er das grün-violette ESC-Trikot, lange Zeit sogar als Kapitän. "Er hat diesen Verein auch mitgeprägt", urteilt Jan Benda, der die Karriere des schlaksigen Verteidigers viele Jahre begleitet hat. Erst als Spieler im Trikot des Grefrather EV, dann als Trainer in Herne und schließlich am Essener Westbahnhof.

Im Sommer 1994 war Überredungskunst angesagt. Erst hatte ESC-Präsident Thomas Schiemann nach stundenlangen Diskussion Jan Benda dazu gebracht, den sportlichen Neuaufbau des Eishockeys in die Hand zu nehmen, als der gebürtige Tscheche schließlich selbst dazu überging, für das aller-erste Moskito-Team einige zuverlässige Kräfte an Land zu ziehen. Was lag näher, als Bodo Mueller-Boenigk zu holen. Der Verteidiger war ihm Bestens bekannt, außerdem war er bei seinem damaligen Club, den Herne Miners, alles andere als glücklich. Also sagte auch Bodo Mueller-Boenigk spontan zu, in Essen wichtige Pionierarbeit zu leisten. Doch dabei blieb es nicht. Egal ob 2. Liga Nord oder Spitzeneishockey in der DEL, der gebürtige Krefelder blieb immer wichtige Korsettstange. Und dass, obwohl ihm viele vermeintliche Experten Jahr für Jahr prognostizierten, dass er schlichtweg nicht mehr t genug sei. "Richtig, das habe ich immer wieder gehört. So sehr es auch manchmal genervt hat, so sehr hat es mich auch immer wieder angespornt, es allen zu zeigen ", erinnert sich Bodo Mueller-Boenigk. Mit seinen wohl wichtigsten Tugenden auf dem Eis, dem aufopferungsvollem Kampfgeist und taktischer Disziplin, lieferte er im Meisterjahr 1999 an der Seite des tschechischen Alt-Internationalen Bedrich Scerban eine bemerkenswerte Saison und selbst in der rauhen Luft der Deutschen Eishockey Liga war Bodo Mueller-Boenigk alles andere als Kanonenfutter, auch wenn er selbst selbstkritisch er-kannte: "Ich muss mich da schon auf das Wesentliche konzentrieren. Den Spielmacher kann ich da kaum abgeben, aber ich bin selbst überrascht, wie gut es eigentlich in der DEL geklappt hat." Ein Jahr in der DEL, es war, wie Bodo Mueller-Boenigk offen zugibt für ihn "ein Traum". Denn eigentlich war seine Karriere weitestgehend unspektakulär verlaufen. Er durchlief sämtliche Jugendmannschaften des Krefelder EV, durfte im Juniorenalter ein paar Mal bei den Profis mitspielen, saß später aber meist mit der Wolldecke bewaffnet auf der Ersatzbank. Selbst Jugend- oder Juniorenländerspiele, für viele Eishockeycracks fast schon ein Muss auf dem Weg in den Profibusiness, waren ihm nicht vergönnt. "In der NRW-Auswahl haben wir einmal gegen ein japanisches Team gespielt. Das war das Highlight meiner internationalen Karriere", schmunzelt Bodo Mueller-Boenigk.

Was lag also näher, als ins benachbarte Grefrath zu wechseln, nachdem es mit einer Profikarriere in Krefeld nicht geklappt hatte. Dort wurde immerhin Oberliga gespielt, später sogar 2. Bundesliga. Sehr ambitioniertes Eishockey also sogar übrigens mit dem aktuellen deutschen Nationalspieler Marc MacKay als Kapitän. Anfang der Neunziger Jahre übernahm sich der Club von der Niers jedoch, nach dem Konkurs wechselte Bodo Mueller-Boenigk zu den Herne Miners, um aber schon nach einem Jahr zum Westbahnhof weiterzuziehen und in Essen schließlich reihenweise Erfolge einzufahren. Gleich in der ersten Saison gelang dem jungen Verein der Sprung in die 1. Liga Nord, in der Spiel-zeit 97/98 schafften die Moskitos problemlos die Qualifikation für die eingleisige DEB-Bundesliga. Dort wurde der ESC ein Jahr darauf nach einer atemberaubenden Finalserie gegen den EC Bad Nauheim Meister. Die Sekunde, als Kapitän Bodo Mueller-Boenigk, den Pokal in die Luft stemmen durfte, bezeichnet er nach wie vor als einen der glücklichsten Momente seiner gesamten Karriere. "So etwas passiert wahrscheinlich nur einmal im ganzen Leben", meint der Verteidiger. Das Kapitänsamt bei den Moskitos bekleidete der gelernte Zimmermann, der mittlerweile wieder in seinen Beruf zurückgekehrt ist, von Dezember 1995 fast bis zum Ende seiner Zeit in Essen. Oftmals standen technisch versiertere, körperlich stärkere Spieler im Kader der Moskitos, doch immer zählte Bodo Mueller-Boenigk zu den absoluten Leitfiguren im Team. Seine ehrliche Art, Probleme direkt anzusprechen, Konflikten nicht aus dem Weg zu gehen und sich selbst in kri-tischen Situation immer vor das Team zu stellen, imponierte selbst gestandenen Weltklassespielern. Kein Interview war ihm zu lästig, kein Gespräch mit den Fans erschien ihm überflüssig logisch, dass Bodo Mueller-Boenigk auch auf den Rängen höchste Sympathiewerte genoss. Sein Wort hat immer gezählt.

Das die DEL, eigentlich Bodo Mueller-Boenigks absoluter Traum, für ihn so spät kam, ist sehr schade. "Denn ich hätte gerne mehr gelernt in dieser Liga. Mit 25 wäre das noch möglich gewesen, aber mit 32 ist es natürlich extrem schwer", findet der Defensivspezialist. Vielleicht bleibt die vergangene Saison auch seine einzige SpielzeIt in Deutschlands Topliga, auch wenn es insgesamt keine schöne Spielzeit war. Am Ende versank die Mannschaft im Chaos und auch die langjährige Freundschaft zwischen den Weggefährten Jan Benda und Bodo Mueller-Boenigk hatte in der angespannten Situation einige Risse erhalten. "Das ist Schnee von gestern. Wir haben uns ausgesprochen und es wurde ein vernünftiger Schlussstrich unter die Zeit in Essen gezogen", erklärt Bodo Mueller-Boenigk. Auch wenn er sich zukünftig wieder mehr um seinen Beruf kümmern will die Schlittschuhe hat der Verteidiger noch nicht eingemottet. In der neuen Saison wird er für den EV Duisburg in der Oberliga Nord auflaufen und wahrscheinlich wird er auch da mit der bekannten Rückennummer Drei auflaufen. Bei den Moskitos wird diese Nummer in Zukunft nicht mehr vergeben, als Anerkennung für die großen Verdienste des ehemaligen Kapitäns. Diese Rückennummer wäre für jeden anderen wohl auch ein paar Nummern zu groß.

Schwerstarbeit für die Trainer: Aus tollen Einzelkönnern ein Team formen


Das Sportmanagement verpflichtet namhafte Stars, die allesamt das Prädikat Weltklasse oder internationale Sonderstellung erreichen - und versucht daraus eine homogene Mannschaft zu bilden. Diese Schwerstarbeit haben derzeitig Chefcoach Jan Benda und seine Kollegen beim Eishockey-Bundesligisten ESC Moskitos zu leisten.

Esa Tikkanen am Essener Westbahnhof. Wer das vor drei Monaten gesagt hätte, wäre in Expertenkreisen für verrückt erklärt worden. Es ist aber so - der langjährige Sturmpartner des legendären Wayne Gretzky bei den Edmonton Oilers (gemeinsam gewannen sie fünfmal die höchstdekorierte Trophäe im Welt Eishockey, den Stanley-Cup der NHL) ist ein Moskito. In den Testspielen und zum Saisonstart ließ er einige Male seine Extraklasse, seine Spielübersicht, sein Puckgefühl aufblitzen - die fachlich fundierten Fans im Essener Eisstadion zeigten sich verzückt. Als aber das Zusammenspiel mit den Kollegen nicht "blind" klappte, gab es den ersten Unmut. Die tollen Namen bei den Moskitos zeigten sich noch nicht als Mannschaft und die ersten DEL-Spiele waren vom Ergebnis eher durchwachsen. Eine hauchdünne 2:3 Niederlage zum Saisonauftakt gegen die Nürnberg Ice Tigers trotz ordentlicher Leistung, wurde noch weggesteckt von den selbsternannten "besten Fans der Liga". Als dann ein 3:2 bei den Berlin Capitals nach Penaltyschießen folgte, ging am Bahnhof Essen-West die Sonne auf. Als es aber gegen den "Erzfeind" aus dem Sauerland, die Iserlohn Roosters keineswegs Hühnerfrikassee gab, sondern die Männer um die Ex-Essener Terry Campbell und Radek Toth nach dem 2:2 Remis in der regulären Spielzeit im Penaltyschießen frech auftrumpften und punkteten, waren die Moskitos-Anhänger sauer.

 Auch das 1:4 in Krefeld gegen die Pinguine war alles andere als versöhnlich. Cheftrainer Benda machte in Schadensbegrenzung: "Wir sind ein tolles Team mit großem Charakter, da bin ich mir sicher. Aber noch sind 56 Spiele in der Vorrunde zu absolvieren und wenn unser Teamwork im Laufe der Zeit besser abgestimmt ist, wird es noch viele gute Spiele und auch Tore und Punkte für unsere Moskitos geben!"

Da ist aber vor dem Preis der Fleiß gesetzt und es wird auch noch eine Menge Schweiß im Training fließen, bevor aus tollen Einzelkönnern "das Team"  zusammengescheißt ist. Aus dem Fußball ist das Beispiel Borussia Dortmund noch in Erinnerung. In der Vorsaison versammelten sich viele Stars am Borsigplatz, doch das erfolgsgewohnte Fußbalteam wäre fast abgestiegen. Die Trainer hatten es nicht verstanden, aus den tollen Namen ein homogenes Team zu bilden.

Neben sportlichen Problemen gibt es bei den Moskitos auch große Finanzsorgen. Auch nach vier Spieltagen in der DEL kommen die Eishockeycracks "oben ohne" aufs Eis. Es fehlt noch immer der Hauptsponsor. Zudem schmerzte das Management der Raubüberfall auf den Vorstandskollegen Ralf Blobel, bei dem 120.000 DM, die gesamte Tageseinnahme des Eröffnungsspiels gegen Nürnberg, sowie der Vorverkauf gegen Sauerland erbeutet wurden. Die Kripo arbeitet - so ist zu hören - intensiv, aber vom Täter und vom geraubten Geld gibt es noch keine nennenswerte Spur! 30.000 DM Belohnung....

Abhanden gekommen ist auch die Gemeinsamkeit in der DEL. Von den angeblich sicheren TV-Einnahmen fehlen jetzt für eine Saison über 700.000 DM in der Vereinskasse bei jedem Club und auch die Nichtvermarktung der Bully-Punkte unter der Eisfläche kostet die Moskitos zur Zeit 250.000 DM minus. Addiert man die Finanzprobleme von einem Wochenende bei den Moskitos zusammen, kann man festhalten, dass über eine Million Mark aus dem angepeilten Etat sich in Luft aufgelöst haben. Harte Arbeit ist im Überlebenskampf der Moskitos für Essen in der höchsten Eishockey-Liga angesagt - huwi

   

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.