Das war die Saison 1999/2000


Moskitos sind sportlich am Ende. Vom Aufsteiger zum Absteiger


Sportlich am Ende, doch der Abstieg aus der Eishockey Renommierliga steht dennoch in den Sternen! Die Moskitos haben nach zwei Niederlagen am Letzten, spielentscheidenden Wochenende die "Rote Laterne" gefestigt, dem Abstieg in die zweite Bundesliga ist kaum noch zu entrinnen. Außer am "Grünen Tisch", denn es vermehren sich die Gerüchte, dass es aus juristischen Gründen (DEL-Klubs sind GmbH., die nicht im Deutschen Eishockey-Bund, also der 2. Bundesliga, spielen dürfen, da dann die Gemeinnützigkeit des gesamten Verbandes gefährdet sei .. .) doch keinen DEL-Absteiger geben wird und die Liga lediglich aufgestockt wird um Zweitliga-Spitzenreiter Düsseldorfer EG, weil die bereits aus der Vergangenheit als Gesellschafter gelten.

"Wir werden uns zu diesen Spekulationen nicht äußern", ist die klare Aussage des ESC-Vorstandes um Präsident Thomas Schiemann und Pressesprecher Andreas Keppeler, der ergänzt: "Wir werden mit Anstand diese Saison zu Ende spielen, das sind wir allen Sportfreunden und unseren treuen Fans einfach schuldig ... Das heißt im Klartext: Auch wenn sportlich bei zwölf Zählern und 57 Toren Differenz auf den 14. und rettenden Tabellenplatz nichts mehr zu holen ist, gibt es heute Abend Erstliga-Eishockey am Westbahnhof. Um 19 Uhr 30 stellen sich die Schwenninger Wild Wings in einem weiteren Duell der Abstiegsrunde vor. Trainer Jan Benda: "Unsere Spieler werden bezahlt bis zum letzten Saisonspiel, da haben sie auch anzutreten. Bitter ist die mangelnde Einsatzbereitschaft der letzten Wochen, da haben einige Spieler bereits Essen und vielleicht auch die DEL abgehakt. So wurde unsere gute Arbeit von sechs Jahren Moskitos in Essen in Frage gestellt. Wir müssen den Neuanfang, egal ob in der DEL oder in der zweiten Liga des DEB anpacken!" Mit 1:5 waren die Moskitos in der mit über 6.000 Fans gut besuchten Oberhausener Arena vorgeführt worden. Gegner war Mitabstiegskandidat Revier Löwen Oberhausen, ein Kontrahent, gegen den die Essener bisher stets gut aussahen. Auf dem Eis in Oberhausen brachte kein Moskitos-Crack Normalform, von gesteigertem Einsatzwillen war nichts zu sehen, das entscheidende Duell verkam zum Schaulaufen mit Freundschaftsspiel-Charakter.

Die über 2000 Essener Fans verweigerten dafür dem Team jeglichen Applaus. Die Gastgeber-Anhänger lockten immer wieder mit Sprechchören "Essen, wir hören nichts ... " . Bereits am Freitagabend hatten es die Moskitos versäumt, zu punkten. Gegen die Eisbären aus Berlin , die den Ausflug zum Westbahnhof nur als Pflichtaufgabe ansahen, gab es eine 4:5 Niederlage. Der ansonsten als "Böser Bube" gefürchtete Eisbären-Stürmer Mike Bullard dirigierte gar von der Strafbank aus lachend die "Essener Fischerchöre" und brachte es fertig, die Moskitos-Fans zu einer La-Ola-Welle anzustacheln ...

Quo vadis Moskitos?


Nach der neunten Niederlage in Serie stecken die Essener mittendrin im Abstiegskampf der Deutschen Eishockey Liga. Während die Moskitos vor eigenem Publikum den Hannover Scorpions mit 4:7 unterlagen, siegten die Oberhausener Revier Löwen überraschend mit 3:0 bei den Eisbären Berlin. Damit ist der Abstand auf den Abstiegsplatz auf schlappe drei Punkte geschrumpft. Zur Erinnerung: Noch vor wenigen Wochen hatten die Moskitos satte 18 Punkte Vorsprung. Dabei hatte die Partie gegen die Niedersachsen so verheißungsvoll begonnen. Keine fünf Minuten waren gespielt, da führten die Moskitos bereits mit 2:0: Roman Vopat per Abstauber und Jukka Seppo mit einem fulminanten Schlagschuss in Überzahl sorgten für ausgelassenen Torjubel auf den Rängen. Doch während die Zuschauer schon das Ende der schwarzen Serie von acht sieglosen Spielen feierten, schlugen die Scorpions eiskalt zurück: Schon nach Ende des ersten Drittels führten das Team aus der Wedemark mit 3:2. "Das war letztendlich mal wieder typisch. Wir müssen endlich begreifen, dass ein Spiel wirklich 60 Minuten dauert. Wir haben uns selbst um unseren guten Start gebracht". stöhnte Verteidiger Marc Savard.

Im zweiten Durchgang kam es dann noch übler: Obwohl ESC-Trainer Jan Benda ein Zeichen setzen wollte, und für den nicht immer sicheren Oldrich Svoboda Publikumsliebling Radek Toth brachte, bauten die konzentriert und couragiert aufspielenden Hannoveraner ihre Führung auf 5:2 aus. „Entscheidend war in dieser Phase sicher auch unser gutes Unterzahlspiel. Wir mussten dreimal ins Penalty Killing und haben keinen Treffer bekommen“, lobte Scorpions Sportchef Eric Haselbacher. Während die Moskitos also wieder einmal beste Chancen ausließen, nutzten die Gäste ihre Gelegenheiten eiskalt aus. So war es nicht überraschend, dass der Schlussabschnitt eine recht ruhige Angelegenheit wurde. Zwar keimte kurzfristig noch einmal Hoffnung auf, als Tomas Srsen einen Schlagschuss von der blauen Linie in der 41. Minute zum 3:5 abfälschte, doch die Niedersachsen ließen keinen Zweifel daran, dass sie mit einem Sieg in Essen unbedingt den Sprung auf einen Playoff Platz schaffen wollten. Dementsprechend zufrieden war auch Trainer Curt Lindström: „Insgesamt bin ich einverstanden mit der Leistung, denn wir haben gut gekämpft und verdient gewonnen. Was mir nicht gefallen hat, sind die vielen Tore. Das war ja wie ein Ping-Pong Spiel.“

Dagegen herrschte im Essener Lager absolute Niedergeschlagenheit. „Ich bin maßlos enttäuscht“, seufzte ein entnervter Jan Benda unmittelbar nach Spielschluss, „wir hatten uns so viel vorgenommen und stehen letztlich genau wieder da, wo wir gegen München aufgehört hatten.“  Keine Frage, in den kommenden Spielen muss gepunktet werden, sonst ziehen am Essener Westbahnhof ganz düstere Wolke auf. ESC-Präsident Thomas Schiemann bewahrt trotzdem Ruhe: „Ich bin mir sicher, dass wir da rauskommen. Schließlich sind wir jetzt endlich wieder komplett. Das wird sich in den kommenden Partien auszahlen.“ Und von Panikmache hält auch die Mannschaft nichts. „Vielleicht hofft die Konkurrenz auf eine Kurzschlussreaktion. Aber wir werden uns weiter auf unseren Job konzentrieren. Wir wissen ja, dass wir gut spielen können, wir haben es schließlich schon bewiesen“, betont Terry Campbell, „was wir jetzt einfach brauchen, ist ein Erfolgserlebnis. Das ist der Knackpunkt.“

Der Sambazug war eine Wucht, Superparty mit den Capitals


Nein, gut bei Stimme war am nächsten Tag wohl niemand von den rund 1.000 Fans, die bei der Sambafahrt nach Berlin mitgemacht hatten. Und es war nicht nur der Alkohol auf der Rückfahrt, der den Moskitos-Fans die Stimmen raubte. Bei der Superparty rund um das Eishockeyspiel der DEL zwischen den Berliner Preussen (die jetzt Capital heißen) und den Essener Moskito wurde getanzt, getobt und gesungen was das Zeug und die Stimmen hielten. Das Resultat, siehe oben, wortlos.

Vor allem bei der Mitgliederversammlung der Moskitos im Essener Cinemaxx, 15,5 Stunden nach der Rückkehr, sah und hörte man schon bei der Begrüßung, wer mit in der deutschen Hauptstadt war. Vor allem Skater-Boss Thomas Böttcher hatte es erwischt, denn er musste fast tonlos seine Jahresrede halten, zum Gelächter der über 300 Mitglieder im Kinosaal. Da half auch das von Orga-Leiter Rainer Augat gereichte Glas Wasser nicht mehr zum Schmieren der Stimmbänder.

So eine Sambazugfahrt ist besonders lustig, was auch den Bahnservice angeht. Da wurde reichlich später als vorgesehen in Essen Hauptbahnhof abgefahren, da gab es viele Signale auf Halt, weil der Linienverkehr Vorrang hatte und eine Lok nahm unterwegs einen freien Tag, musste durch eine funktionierende ersetzt werden. Die Moskitos machten alles geduldig mit, hatten sie doch ein tolles Ziel: Zum DEL-Punktespiel in Berlin gegen die Preussen zu fahren und dort eine Superparty mit den Berliner Freunden zu feiern. Das mit der preußischen Pünktlichkeit ging als erstes in die Hose, denn der Sambasonderzug kam mit anderthalb Stunden Verspätung in der Hauptstadt an. Da war klar, dass auch das Spiel erst später begann, als alle Fans im Eisstadion waren, viele von ihnen lila-grün geschminkt in den Moskitos-farben. Das war eine gelungene Idee von der Fanvereinigung VEFE, die den Reinerlös kranken Kindern stiftet.

Und der der ganze Zeitplan eh auf dem Kopf stand, fuhr der Sambazug auch mit fast zwei Stunden Verspätung wieder in Berlin los. Die meisten Fans, gastgebende Berliner wie Essener, nutzten die Zeit zu einem tollen Weihnachtsmarktbummel. Nach tollem Abschied von den netten Berlinern auf dem Spandauer Bahnsteig gab es die feuchtfröhliche Rückfahrt. Und zur Belohnung für dieses tolle Fan treffen gab' s die Moskitos im Zug "zum Anfassen", denn bis auf wenige "Drückeberger" fuhren alle Spieler mit der Bahn. "Skinny", der Fahrer des Team-Bus, gewann allerdings die Wette mit Betreuer Jochen Giepmann, denn er war deutlich vor dem Sonderzug in Essen. Kein Wunder bei der schweren Beladung des Sambazuges und nach dem zum Glück nur einmaligen Ziehen der Notbremse unterwegs. Morgens, fünf vor vier, war Ankunft in Essen. Alle waren müde, heiser, aber glücklich! Moskitos on Tour, das besondere Party-Erlebnis.

Leon Draisaitl bei den Moskitos


Nach dem Erfolg gegen die Hannover Scorpions herrschte in der Moskitos-Kabine recht lockere Stimmung. So hatte es dann auch der vierjährige Leon Draisaitl, Filius von Peter Draisaitl, nicht unbedingt schwer Spielpartner für seine ersten Eishockey Bemühungen zu finden. Der Knirps schoss mit einem abgesägten Eishockeyschläger wie wild Pucks durch die Kabine, wandelt also schon frühzeitig auf den Spuren seines erfolgreichen Vaters. "Allerdings habe ich das Gefühl, dass er jetzt schon härter schiesst als ich", schmunzelte Peter Draisaitl.

Sonderzug zu den Capitals restlos ausverkauft, 1.000 Essener in Berlin


Bis auf den letzten Platz ausverkauft ist der Samba-Sonderzug der Moskitos zum Auswärtsspiel bei den Berlin Capitals am 12. Dezember. Allerdings sind nicht alle Tickets an Essener Eishockeyfans gegangen. Gerüchten zufolge haben sich sogar einige Berliner Fans angesagt, die nach ihrem Auswärtsspiel bei den Kölner Haien am Freitag direkt in NRW bleiben, um dann sonntags gemeinsam mit den Essener Freunden die Rückreise im stimmungsvollen Moskito-Express anzutreten. Die Fanfreundschaft zwischen den Capitals und den Moskitos wurde übrigens schon vergangenen Freitag vertieft. Hunderte Essener drückten den Berlinern bei ihrem Gastspiel in der Oberhausener Arena die Daumen.

Der erste DEL-Sieg, ein historischer Erfolg in Mannheim


Es war der 19. September und die Stimmungslage in der Moskito-Gemeinde war alles andere als prächtig. Noch am Freitag zuvor hatten die Essener beim 1:4 gegen die München Barons ihre dritte Pleite im dritten DEL-Spiel kassiert. War die Mannschaft überhaupt gut genug um der besten Liga zu bestehen? Mit mehr als gemischten Gefühlen setzten sich die Essener am späten Vormittag in den Mannschaftsbus und fuhren genau dahin, wo man eigentlich überhaupt keine Chance haben würde. Zum amtierenden Deutschen Meister Adler Mannheim, die ihr Team in der Sommerpause noch einmal verstärkt hatten. Wie hoch würden die Moskitos im Eisstadion am Friedrichspark wohl verlieren?

Was tatsächlich kam, waren die 60 verrücktesten Minuten in der noch jungen Essener DEL-Geschichte. Schon kurz nach Anpfiff musste Keeper Radek Toth zweimal hinter sich greifen, aber der Mannheimer Blitzstart schockte die Moskitos wenig. Recht bald stand es 2 : 2 -spätestens da wusste jeder im Stadion, das die Moskitos kein Kanonenfutter sein würden. Trotzdem drehte der amtierende Deutsche Meister wieder auf: Im zweiten Drittel zogen die Adler auf 5 : 2 davon, die rund 5.000 Fans feierten bereits das mögliche Schützenfest über den krassen Außenseiter aus Essen. "Aber wir haben uns auch in dieser Situation nicht verrückt gemacht, sondern einfach weiter konzentriert gearbeitet", erinnert sich Verteidiger Marc Savard. Trainer Jan Benda setzte zudem ein deutliches Zeichen: In der 28. Spielminute, als Mannheims Verteidiger Kevin Grant den fünften Treffer erzielt hatte, nahm Benda den glücklosen Radek Toth aus dem Tor und brachte Oldrich Svoboda, für den langen Tschechen sein erster Pflichtspieleinsatz im Essener Trikot. Ein Hallowach-Effekt für die ganze Mannschaft, der sich gelohnt hat.

Als Tomas Nemcicky mit einem Doppel-schlag auf 4 : 5 verkürzte, machte sich auf den Rängen erste Skepsis breit. Und die war mehr als berechtige: Denn im Essener letzten Drittel glichen die Essener nicht nur aus, sondern zogen unwiderstehlich davon. Als Marian Kacir wenige Minuten vor der Schlusssirene mit einem feinen Solo das 7:5 erzielte, waren die rund 100 mitgereisten Essener Fans schier aus dem Häuschen. Direkt nach der Schlusssirene und nach mehreren Moskito-Ehrenrunden versammelte sich die Anhängerschar am ESC-Mannschaftsbus, um jeden Spieler einzeln hochleben zu lassen: Die Moskitos hatten ihren ersten DEL-Sieg gepackt! "Das war ein unglaublich wichtiger Erfolg. Vor allem für unsere Köpfe. Denn wir haben zweimal zurückgelegen und sind zweimal zurückgekommen", jubelte Marc Savard. Auch Stürmer Terry Campbell war hochzufrieden: "Obwohl wir zum Saisonstart drei Pleiten kassiert haben, war und ist unsere Moral intakt." Eins steht fest: Der Sieg im Mannheimer Friedrichspark war die Initialzündung. Aus den folgenden sechs Spielen holten die Essener stolze vier Siege und kletterten damit erst einmal ins Mittelfeld der Tabelle.

Neu: "Kohmann für Deutschland!"


Moskitos international: Nicht nur beim Continental-Cup in Mailand durften Cracks der Moskitos internationale Eishockey-Luft schnuppern. Schon in gut drei Wochen gibt es zumindest für drei Essener einen kräftigen Nachschlag: Torsten Kienass, Terry Campbell und Christian Kohmann sind von Bundestrainer Hans Zach für die anstehenden Länderspiele der DEB-Auswahl gegen Österreich und die Slowakei vom 11. bis zum 14. November nominiert worden.

Während Kienass und Campbell das Trikot mit dem Bundeadler bereits kennen, ist die Nationalmannschaft für Christian Kohmann absolutes Neuland. Noch im Trainingslager in der Schweiz hatte der 25-jährige Angreifer seine persönlichen Saisonziele sehr bescheiden formuliert. "Ich möchte mich nur in der DEL durchsetzen, aber das wird hart genug. Aber ich weiß auch, dass es für mich eine Riesenchance ist", erklärte der gebürtige Ratinger damals. Diese Chance hat Christian Kohmann eindrucksvoll genutzt: Nachdem er in den ersten Saisonspielen noch häufig auf der Ersatzbank Platz nehmen musste, hat er sich mittlerweile als Leistungsträger fest in der Mannschaft etabliert und ist aktuell aus der dritten Angriffsreihe kaum noch wegzudenken. An der Seite von Center Peter Draisaitl und dem jungen Michal Dvorak glänzte er nicht nur als fleißige Arbeitsbiene, sondern schießt mittlerweile auch Tore.
Nachdem er beim 4:1 Sieg gegen Hannover seinen ersten Treffer bejubeln durfte, erzielte er in den Partien gegen Schwenningen und Nürnberg gleich drei Treffer. „Es läuft wirklich gut in unserer Reihe“, findet Christian Kohmann. Wobei der Jung-Nationalspieler eigentlich gar kein Typ ist, der seine eigene Leistung unbedingt an Toren misst. „Es ist erst einmal wichtig gut defensiv zu spielen. Und da bin ich ganz froh, dass unsere Reihe bisher in der Saison kaum Gegentreffer bekommen hat“, freut sich der Stürmer. Der Blick auf die Statistik gibt ihm Recht: In der +/- Wertung /für jeden Gegentreffer / Treffer, bei dem der entsprechende Spieler auf dem Eis war, gibt es entweder ein + oder ein -) gehört Kohmann zu den zwanzig besten Spielern der ganzen DEL.

Bei den Moskitos zählt Christian Kohmann neben Kapitän Bodo Müller-Bönigk fast schon zu den Urgesteinen: Weil er beim EV Duisburg nicht richtig zurechtkam, wechselte er im Dezember 1995 an den Westbahnhof. Fast in jeder Saison prophezeiten ihm die vermeintlichen Experten, dass er bald an seinem sportlichen Limit angekommen sein würde. Jedes Mal bewies Christian Kohmann das krasse Gegenteil, trotzdem kommt die Berufung in die deutsche Nationalmannschaft sehr überraschend. „Als das Telefon klingelte und mir ein Mitarbeiter des Deutschen Eishockey Bundes mitteilte, dass ich nominiert bin, war ich auch ganz perplex“, berichtet Christian Kohmann, „ich habe ja überhaupt nicht gewusst, dass ich für das DEB-Team interessant.“

Für Jan Benda ist die Berufung logisch: „Im vergangenen Jahr stand Christian schon kurz davor. Das er es jetzt geschafft hat, freut mich persönlich riesig für ihn.“

Dem Schwarzwald-Team wurden gewaltig die Flügel gestutzt


,, Das ganze Dorf ist d_a ... ", gen und jubelten 100 bis 150 Schwenninger Eishockeyfans rund um die Essener Eissporthalle am Westbahnhof. Sie waren stolz, die weite Reise aus dem Südschwarzwald auf sich genommen zu haben, um ihren Wings die Flügel zu stärken. Aber wie das so mit den Großstädtern ist, die übernahmen zunächst das Gesangskommando (über 4.000 waren eine starke Übermacht) und lachten sich schief über den Spruch "Das ganze Dorf ... ", bewiesen in tausendfacher Lautstärke, wer der Herr im Hause ist und als dann die Moskitos den Schwenningern auch noch sportlich gewaltig die Flügel stutzten, war für die Gäste die Welt nicht mehr in Ordnung. "Nach Hause, nach Hause geh' n wir nicht..." sangen die Fischerchöre der Moskitos und viele harrten noch eine Stunde nach Spielschluss in der Eishalle aus. Immer wieder zeigte sich auch das Team und es wurde erneut gefeiert.

Die technisch brillierende Essener DEL-Truppe überzeugte erneut. Der "Underdog" der Deutschen Eishockey-Liga und meistgetippte "Garantie-Absteiger“ (alle "Experten" wurden mittlerweile eines Besseren belehrt, ließ sich auch von Schwenningen die Butter nicht vom Brot nehmen. Nach dem grandiosen 7:2 gegen die als kaum schlagbar geltenden Spitzenreiter Berlin Capitals, wurden jetzt die Wild Wings mit 6:2 abgefertigt und mussten, für die Gäste überraschend, mit leeren Händen die weite Heimreise antreten. Wild Wings-Coach Rich Chernomaz, als Dolmetscher unterstützte ihn, sein Co-Trainer Kim Collins erkannte an: „Da gibt es keine Ausreden, die Essener waren einfach die bessere Mannschaft, sie zeigten sich läuferisch sehr stark. Sie haben einfach mehr gearbeitet und der Moskitos-Sieg geht in Ordnung. Ich werde mich mit den Video-Aufzeichnungen beschäftigen und auf dem Bildschirm die Einstellung unseres Teams kritisch analysieren!"

Schwenningens Manager Michael Bühler kritisierte die eigene linke Seite und haderte mit dem Schiedsrichter, weil er den Gästekeeper Stephane Beauregard mit einer Spieldauer-Disziplinarstrafe vom Eis schickte. Bei den Schwenningern lagen nach dem fünften Moskitos-Stich die Nerven blank. Aus einer Diskussion des Keepers mit dem Unparteiischen wurde ein totaler Ausraster, ein tätlicher Angriff -und die Folge konnte nur die Bestrafung sein. Jan Benda, Essens Coach, gab zu: "Der Sieg gegen die Berliner Preussen war nicht eingeplant, für das Spiel gegen die Wild Wings hatte ich aber ein siegen müssen ausgegeben. Denn nur durch Drei-Punkte-Erfolge gegen direkte Konkurrenten können wir uns ein Polster anschaffen ... " Beifall gab' s für Benda in der Pressekonferenz im neuen VIP-Bereich des DEL-Teams, als er feststellte: "Unsere Zuschauer haben ein schönes Eishockey-spiel gesehen und alle haben gemerkt, dass unserem Team nicht nur das Spielen, sondern den Fans auch das Zuschauen Spaß machte, jawohl!"

Splitter


Es war erst der 17. Oktober, trotzdem herrschten im Linde Eisstadion in Nürnberg Temperaturen nahe der Nullgrenze. Nicht gerade überraschend, schließlich ist die leicht marode Eishalle im Nürnberger Norden immer noch halboffen. ESC-Pressesprecher Andreas Keppeler kramte direkt in Erinnerungen: "Ich war hier mal bei einem Spiel im tiefsten Winter, da war es so kalt, dass sich auf meiner Cola eine Eisschicht gebildet hat". Zur Erinnerung, das nächste Spiel der Moskitos in Nürnberg findet Ende Januar statt.......

Essener und Berliner Fans feierten ein großes Spiel


"Bei den Moskitos ist jedes Spiel eine tolle Party", erklärte Essens Nr. 1, Oldrich Svoboda im Exklusiv-Interview mit den Moskitos NEWS zum Spiel gegen den Spitzenreiter aus Berlin. Der Klassekeeper selbst hatte maßgeblichen Anteil daran, dass es erneut eine Riesenfete am Westbahnhof gab. Nach einem großen DEL-Spiel mit einer technisch und kämpferisch erstklassigen Gastgeber-Mannschaft siegten die Moskitos gegen den als kaum schlagbar geltenden klaren Tabellenführer Capitals deutlich mit 7:2. Schon dreieinhalb Stunden vor dem ersten Bully säumten am Sonntagmittag hunderte von Eishockeyfans den Eishalleneingang. Die Preußen aus Berlin waren mit ihren Doppeldecker Bussen als Samba-Tour frühzeitig angereist und etwa 700 Fans aus der Hauptstadt und die g!eiche Anzahl aus Essen sorgten und zeigten sich stimmgewaltig. Eishockey- Freundschaften wurden geschlossen und während des Spiels, ohne Rücksicht auf das Resultat zeigten sich die Berliner und die Moskitos-Fans in bester ausgelassener Stimmung. Gemeinsam gab' s Welle auf Welle, La-Ola war in und immer wieder gab es Standing Ovations für die Klasseleistung beider Teams, aber vor allem für den Torhunger der Gastgeber. Sie waren gegenüber dem Köln-Spiel nicht wieder zu erkennen, die Essener. Stark der Rückhalt im Tor, Oldrich Svoboda, hart, schnell und kompromisslos die Abwehrleistung und von den Verteidigern, vor allem Marc Savard wollte es gegen seine Ex-Teamkollegen wissen, ging die Post ab nach vorne. Dort glänzten vor allem Jukka Seppo, Tomas Srsen, Martin Sychra, die erste Essener Sturmreihe. Sie spielten ein ums andere Mal die Capitals schwindelig und belohnten sich selbst mit zwei Toren des neuen finnischen Mittelstürmers Seppo und mit einem Treffer vom Nationalspieler Tschechiens Tomas Srsen.

Sehenswert auch die zweite Reihe mit den unermüdlichen Kämpfern Josef Zajic, Marian Kacir und Tomas Nemcicky, die in Kooperation (jeder eins und die jeweils anderen als Assistenten) auch drei Törchen machten. In glänzender Verfassung stellte sich auch Andrej Nedorost, der Jüngste im Moskitosteam vor. Immer wieder spielte er auch dort, wo es weh tut , machte durch geschicktes Körperspiel den Weg frei für seinen erfahrenen Kollegen Peter Draisaitl und den immer stärker werdenden Neuzugang Michal Dvorak. Der deutsche Altnationalspieler schaffte schließlich, assistiert von seinen beiden Kollegen, das Tor zum 5:0. Kurz vorher hatte sich der weißrussische "Wundertorwart" Andrej Mezin so gewundert, dass er sich nach der vierten Klatsche auswechseln ließ. Aber auch David Berge konnte gegen die wie entfesselt aufspielenden Moskitos keine Berge versetzen und kassierte noch drei Treffer. Die beiden Capitals-Gegentore waren eigentlich nur Schönheitsfehler, sie fielen beim von 5:0 bzw. 7:1, als längst alles entschieden war und Berliner Fans sich der Moskitosparty anschlossen. Ein Wort zum Hauptschiedsrichter und seinen Linienrichtern. Fast fehlerfreie Leistung, das beste Gespann (Rademaker, Lenhart, Fischer) dass es bisher in der noch kurzen DEL-Saison auf dem Essener Eis gab. Konsequentes Einschreiten, wenn es nötig war, das gute Spiel laufen lassen, nur wenige Strafzeiten gepfiffen und vor allem, Enrico Ciccone nicht benachteiligt, nicht verfolgt ... er durfte endlich einmal Eishockey spielen! Nach der Schlusssirene ging's rund in der Eissporthalle und draußen an den   Getränkeständen (4.400 zahlende Zuschauer offiziell) jubelten, feierten vor allem das Moskitosteam Die Spieler mussten immer wieder aufs Eis, "durften" tanzen, die Welle aufmischen und ein paar präsentierten ihre Kinder. Und auch einige der Berliner Spieler kamen zurück aufs Spielfeld. Sie bedankten sich bei ihren tollen Fans und waren leicht irritiert, als die Essener Eishockeycracks sie mitnahmen zu den Moskitosfans. Capitals-Chefcoach Michael Komma bisher von Siegen verwöhnt, war etwas sauer: "Das war ein _ schwarzer Tag für uns. Damit möchte ich aber die ausgesprochen gute Leistung der Moskitos nicht schmälern. In dieser DEL geht es sehr eng zu, da muss von Anfang an hundertprozentig konzentriert sein. Aber wie das so ist in dieser Liga, am nächsten Freitag können wir alles wieder umdrehen.“

Direkt aus den USA, Vlasti Kroupa #4


Vor einer Woche Michal Dvorak, am Freitagabend Vlastimil Kroupa #4. So nach und nach werden die Moskitos komplett. Für den nach Herne abgewanderten René Sevecek, der bereits für das Drittligateam in Berlin bei den Eisbären Juniors debütierte, wurde ein weiterer spektakulärer Neuzugang zum Westbahnhof geholt. Kroupa, 1,92 m groß, der in der Kölnarena unter Beweis stellte, dass Trainer Jan Benda an ihm noch viel Freude haben wird. Drei Tage war er fast nur im Flugzeug. Direkt aus New York kam er über Frankfurt nach Essen, musste noch nach Tschechien wegen der schriftlichen Freigabe und weiterer Formalitäten. Der Lohn seines Einsatzes, bereits einen Tag nach dem erfolgreichen Abschluß der Aktion durfte er gegen die Haie aufs Eis. 105 NHL Spiele hat der 24-jährige aktuelle zehnfache tschechische Nationalspieler absolviert, 1994 nahm er an der WM in Helsinki teil. Sein letzter Club in der NHL sind die New Jersey Devils. Zuvor war er aktiv bei den San Jose Sharks und den Cansas City Blades. Das Talent ging mit 18 Jahren von Litvinov/CSSR nach Nordamerika und kann auf eine beachtliche Karriere zurückblicken.

Keeper des Jahres


In der Rubrik "Die neuen DEL-Goalies" stellte das Fachblatt Eishockey News vor Saisonbeginn nüchtern fest: "Essens tschechischer Supergoalie Radek Toth bekommt Konkurrenz aus dem eigenen Land. Anfang der 90er Jahre zählte der elffache Nationalspieler Oldrich Svoboda zu den bersten Torhütern seines Heimatlandes". Als er die Nummer eins bei Dukla Iglau war, wurde er zu Tschechiens Torhüter des Jahres gewählt. In den letzten vier Jahren stand der 1,85 m große Svoboda im Tor von Ceske Motor Budweis, von 1992 bis 1994 sammelte er mit dem Bonus Tschechiens Torwart Nr. 1 zu sein, Auslandserfahrungen bei Reipas Lahti in Finnland.

Ein ganz Großer.....


Die Eishockey News, renommierte Fachzeitschrift, verkündete bereits im DEL-Sonderheft in der Hintergrund Story: "Das sind die neuen Stars der DEL. Tomas Srsen von DEL Neuling Moskitos Essen, das ist ein ganz Großer.... Die Moskitos setzen auf die tschechische Karte, gleich acht Spieler aus dem Land des Weltmeisters und Olympiasiegers kommen neu ins Ruhrgebiet". Der prominenteste von ihnen ist der 49-fache Nationalspieler Tomas Srsen, der zuletzt fünfmal in Folge mit seinen Teams die Meisterschaft gewann und stets ein großer Leistungsträger war. In der vergangenen Saison bildete der Olympiateilnehmer von 1994 gemeinsam mit den Weltklassespielern Pavel Patera und Martin Prochaczka die Paradereihe und war neuntbester Scorer in den Playoffs

Neu bei den Moskitos: "Fighter" Michal Dvorak


Erneut ein Paukenschlag durch die Moskitos auf dem Transfermarkt. Mit Michal Dvorak (Rückennumer 52) wurde ein Riesentalent an Land gezogen. Der 20-jährige Außenstürmer (1,85 m groß, 96 kg schwer) ist in Tschechien geboren und spielte bis zum seinem 15. Lebensjahr dort Eishockey, erlernte von der Pike auf die tschechische Schule, die das tschechische Eishockey so erfolgreich macht. Im zarten Alter von nur 17 Jahren verließ Michal das Elternhaus und versuchte in Nordamerika sein Glück. In Kanada spielte er fünf Jahre in der Ontario Hockey League OHL bei den Kitchener Rangers. Dort ging er durch die harte kanadische Schule und bekam in Nordamerika den "Feinschliff".
In der vorigen Saison erzielte er 23 Tore und 23 Assits. Jetzt kommt der talentierte Außenstürmer, der für sein ausgeprägtes Körperspiel bekannt ist, direkt aus dem NHL-Trainingscamp der Carolina Hurricanes zu den Moskitos nach Essen. Michal Dvorak ist sehr ehrgeizig und brennt auf seine DEL-Einsätze.

Neu bei den Moskitos: Ein Finne aus Tschechien


Die Kontakte in seine Heimat haben es möglich gemacht. Wieder einmal lotste Trainer Jan Benda einen Spieler aus der tschechischen Extraliga an den Westbahnhof. Allerdings, der neue Angreifer, der am Freitag im Spiel bei den Krefelder Pinguinen sein Debut feiert, ist kein Tscheche sondern ein Finne, Jukka Seppo. Der 31-jährige Center hatte bei Meister Vsetin (der Ex-Club von Moskitos Stürmer Tomas Srsen) lediglich ein mehrwöchiges Gastspiel gegeben. "Jukka hat dort die gesamte Vorbereitung absolviert und auch die ersten drei Meisterschaftsspiele bestritten. "In einem Spiel wurde er sogar als "Spieler des Tages" geehrt", berichtet Jan Benda. Obwohl der sportliche Einstand von Jukka Seppo in Vsetin also sehr vielversprechend war, war der zweifache Familienvater unzufrieden. Die Vereinsführung des tschechischen Spitzenclubs hielt einige Zusagen nicht ein. Davon bekam Jan Benda Wind und stellte schnell den Kontakt zu Seppo her, der ebenfalls reges Interesse an einem Engagement in der DEL hatte. Schließlich will es der Mittelstürmer noch so einigen Leuten zeigen. Die vergangenen drei Jahre verbrachte Jukka Seppo bei den Kassel Huskies, wo er in 114 Spielen ordentlich 86 Scorerpunkte verbuchen konnte. In der vergangenen Saison musste er wegen einer komplizierten Knieverletzung eine längere Zwangspause einlegen.
Doch statt ihm danach die Chance auf ein Comeback einzuräumen, wurde der Finne aussortiert und feierlich in den sportlichen Ruhestand verabschiedet. Damit war Jukka Seppo nicht ganz einverstanden. "Ich bin wieder hundertprozentig fit", betont der 1,88 m große und 94 kg schwere Center. Bei den Moskitos soll der Finne schon allein wegen seiner mehrjährigen DEL-Erfahrung zu den Leistungsträgern zählen. "Er ist ein sehr guter Bullyspieler, außerdem setzt er als Mittelstürmer nicht nur seine Nebenleute hervorragend in Szene, sondern kann auch selbst Tore schießen", beschreibt Jan Benda die Stärken seines neuen Angreifers. Seine Fähigkeiten stellte Jukka Seppo auch in 75 Länderspielen für Finnland bei mehreren Weltmeisterschaften und einer Olympiade unter beweis.

"Lieber eine volle Pommesbude als ein leerer Luxusschuppen"


Der Sportmanager der München Barons hatte es selbst herausgefordert. Max Fedra, der als sportlicher Experte gilt, hatte das Spiel seines Teams in Essen als "Auftritt in einer Pommesbude" bezeichnet. Auch vor dem Spiel zeigte sich der Verantwortliche der Gäste recht arrogant, ärgerte sich laut über die "Mär vom reichen Onkel aus Amerika" (in der Stadionzeitung Moskitos News treffend formuliert) und rümpfte die Nase angesichts des fehlenden Luxusstadions. 
Von den Arena Plänen, einer Vision für die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts wusste er freilich nichts, als er sich auch auf Gespräche mit den Essener Fans einließ. Die hatten ihm während des gesamten Spiels nicht nur ein riesengroßes Transparent "Lieber in einer vollen Pommesbude als in einem leeren Luxusschuppen" vor Augen geführt, sondern sorgten auch noch für Fedras leibliches Wohl. Der elegante Max aus München wurde mit Original Pommes Frites aus der Essener Eishallen Pommesbude verwöhnt. Er zeigte sich clever, ließ sich nicht provozieren, sondern verzehrte genüßlich die Portion. Später lobte er "diese für mich neue Essener Eissporthalle, schließlich liegt mein letzter Essen Besuch Jahre zurück.

Die beiden Kleinsten und der Längste waren die Grössten zum Saisonauftakt


"Enriiiico, oohoho ...“ und „Radek Toth, Eishockeygott“ hallte es zum Saisonauftakt durch die mit knapp 3.000 Fans gut besuchte Eissporthalle am Essener Westbahnhof. Schließlich ging es gegen den lokalen Nachbarn Revierlöwen Oberhausen eigentlich nur um einen frühen Saisontest, es wurde aber dennoch eine frühzeitige Standortbestimmung daraus. Oberhausen siegte glücklich mit 2:1 und durfte sich dafür beim überragenden Torwart Francois Gravel bedanken. Von der Essener Tribüne wurde der Ruf nach Kai Fischer laut, der bekanntlich die Farben wechselte und sicherlich auch in Oberhausen nur die Nr. 2 sein dürfte. Der Revierlöwen-Trainer tat den Moskitos-Fans nicht diesen „Gefallen“.

Eine nette sportliche Geste der Essener Fans und ihres einstigen Lieblings Andrej Fuchs, man feierte sich gegenseitig: die Moskitos-Anhänger zeigten sich nicht nachtragend, dass beide Fuchs-Brüder zum Ligakonkurrenten wechselten. Dann zu Enrico Ciccone. Der 29-jährige Zweimetermann aus der am nordamerikanischen NHL (stammt aus Montreal/Kanada, verheiratet, ein Kind) zeigte sich bärenstark, avancierte beim Publikum schnell zum Liebling. Der Nr. 39 beim ESC geht der Ruf voraus, einer der härtesten Verteidiger der NHL gewesen zu sein, seine Strafbankliste spricht da Bände. Auf dem Essener Eis stellte der Lange eindrucksvoll unter Beweis, dass er aber auch Eishockey spielen kann, schaltete sich bei Kontern immer wieder geschickt ins Sturmspiel ein und hatte vier, fünf tolle Torchancen. Einmal knallte der Puck gar an den Pfosten. 

Neben dem gelungenen Einstand des "Grossen" wurden auch zwei Kleine -Toth und Svoboda -zu Riesen. Schiedlich, friedlich teilten sich die beiden Keeper der Moskitos je 30 Spiel-minuten. Und war schon Neuzugang Oldrich Svoboda (Rückennummer 1) glänzend aufgelegt und spielte seine ganze Routine im Essener Eishockeytor aus, so war dennoch der Einsatz des im Vorjahr besten Keepers der Liga, Radek Toth, ein weiterer Höhepunkt. Die Nr. 21 spielte gleichfalls fehlerfrei und wurde begeistert gefeiert. Einer, der auch nicht gerade das Gardemass erreicht, war der zweite Spieler um die 1, 70 Meter, der zu großen Taten wuchs: Terry Campbell, vom Erzrivalen Sauerland gekommener deutscher Nationalspieler, zeigte mit flinkem Sturm-und Kombinationsspiel, warum er (Nr. 19) ins Konzept von ESC Coach Jan Benda passt. Neben Ciccone und Toth verdiente er sich gleichfalls die Note eins! Vom hauchdünnen Resultat zugunsten der Gäste ließ sich der Moskitos-Trainer nicht beeindrucken. "Das war nur eine bessere Trainingseinheit, eine Art Generalprobe, die trotz des Resultats wertvolle Aufschlüsse lieferte. Am 12. September 15 Uhr, in der Oberhausener Arena folgt unsere Auswärtspremiere, da wird' s ernst, da wollen wir punkten!“

Arena Planungen laufen auf Hochtouren


Die Planungen für die neue Multifunktionshalle für die Ruhrmetropole laufen auf Hochtouren. Wie ESC Präsident Thomas Schiemann gegen der Moskitos News erklärte, wird sich schon in den nächsten Wochen entscheiden, ob das ehrgeizige Projekt auch in die Tat umgesetzt werden kann. Auf zwei Pressekonferenzen haben RWE-Präsident Hempelmann und ESC-Chef Thomas Schiemann die Überlegungen der beiden populären Essener Vereine dargelegt. Die Baukosten für die Essener Arena würden sich auf rund 200 Millionen DM belaufen. Positive Signale gab es bereits aus der Wirtschaft. Auch die Essener Kommunalpolitiker stehen den Überlegungen sehr aufgeschlossen gegenüber. Von privaterSeite wurden bereits mehrere hunderttausend Mark in aufwendige Gutachten investiert. In den nächsten Wochen werden die Anhänger von RWE und den Moskitos nach ihrer Meinung zu den Plänen für eine mögliche neue Heimat befragt.

Fünf Jahre Moskitos, eine Chronik des Erfolges


Nach Pleiten und Skandalen schien das Essener Eishockey 1994 von der Bildfläche verschwunden zu sein. Als Thomas Schiemann und seine Mitstreiter im Juni dieses Jahres den ESC Moskitos als neuen Klub vorstellten, wurden sie allenfalls milde belächelt. Schnee von gestern! In rasantem Tempo setzten die Moskitos zum Gipfelsturm an und durften nach nur fünf Jahren Vereinsgeschichte den Sprung in die DEL feiern. Doch der Reihe nach. Die Gründung des ESC Moskitos geht auf den März 1992 zurück. Im August 1994 betritt das neue Team erstmals das glatte Parkett am Westbahnhof. Über 1000 Zuschauer verfolgen die Präsentation des Kaders um Bodo Müller-Boenigk. Das Eröffnungsspiel bestreitet das Team von Trainer Jan Benda gegen die Raleigh Ice Caps (2:10). Der September geht als ein historischer Monat in die Vereinsgeschichte ein. Mit 5:3 landet der ESC seinen ersten Erfolg über den Erzrivale Iserlohn.

Die Moskitos beenden die Vorrunde in der 2. Liga Nord auf Rang acht und ziehen in die Aufstiegsrunde zur 1. Liga ein. Zum letzten Spiel begleiten 2.000 Essener Fans unsere Mannschaft zum Spiel nach Herne. Zwar gibt´s eine Niederlage, trotzdem dürfen Essens Kufen-Cracks jubeln. In der Endabrechnung belegen sie Rang sechs und feiern den Aufstieg. Schon in der ersten Saison können sich die Moskitos über einen regen Mitgliederzuwachs freuen. Am Ende sind es 518 Beitragszahler. Auch mit der Zuschauerresonanz ist man zufrieden, rund 50.000 Eishockey-Fans pilgern zum Westbahnhof. Die Saison 95/96 eröffnen die Moskitos mit einem feiertechnischen Paukenschlag. Mit mehr als 4.000 Besuchern feiert der ESC sein erstes Open Air am Baldeneysee. Als Neuling in der 1. Liga sorgen die Essener gleich für Furore und rangieren zwischenzeitlich auch Rang zwei. In der Meisterrunde landet das Team um Eric Legros und Oliver Kasper auf Rang fünf. In den Playoffs gibt´s drei äußerst packende Partien gegen den EV Landsberg, ehe die Essener mit viel Pech die Segel streichen müssen.

Das Zuschauerinteresse steigt weiter, über 60.000 Fans kommen zu den Heimspielen, der Mitgliederstand beträgt 715. Mit großem Erfolg starten die Moskitos ihren ersten Samba-Sonderzug. Mit 500 feierfreudigen Fans geht's nach Trier und später auch noch nach Landsberg. Zum Saisonende erleben die Essener Eishockey-Anhänger das Länderspiel zwischen Deutschland und Russland. Und mittlerweile hat der Verein weiteren Zuwachs bekommen. Der 1. Skater Hockey Club Essen tritt den Moskitos als Unterabteilung bei. Mit dem 2. Open Air im Baldeneybad und mehr als 6.000 Zuschauern startet der ESC in seine dritte Spielzeit. Sportlich geht es weiter bergauf. Legros und Co. sichern sich Platz drei in der Meisterrunde der 1. Liga Nord. Im Playoff-Achtelfinale schalten die Essener den Südvertre-ter aus Selb glatt in drei Partien aus. Im Viertelfinale scheitern die Moskitos schließlich an den Heilbronner Falken. Mit 85.000 Besuchern bei den Heimspielen stellt der ESC einen neuen Zuschauerrekord auf. Als 1.000. Mitglied dürfen die Essener Blödelstar Otto Waalkes begrüßen. Die dritte Auflage von „Essen auf Rädern" ist ein voller Erfolg. Mehr als 700 Fans begleiten die Benda-Cracks im Sonderzug nach Selb. Die Moskitos rufen eine Jugendabteilung ins Leben und schicken sechs Nachwuchs-Teams ins Rennnen. Jubel gab's auch im Lager der Skater über den Aufstieg in die 1. Bundesliga. Die Saison 97 /98 läutet der ESC mit dem 3. Open Air ein und lockt rund 8000 Besucher an den Baldeneysee. Inzwischen ist die Eissporthalle auf eine Zuschauerkapazität von 5500 ausgebaut worden. Beim Derby gegen Iserlohn heißt es im November erstmals „ausverkauftes Haus". In der heißen Phase des Rennens um die Plätze für die Meisterrunde verletzen sich mit Kari Rosenberg und Ben Nieleck in Herne gleich beide Keeper. Routinier Dirk Scholz, ein Jahr ohne Spielpraxis, wird reaktiviert. ,,Scholle" feiert ein sensationelles Comeback.

Die Moskitos sichern sich die Teilnahme an der Bundesliga-Endrunde und dürfen damit gleichzeitig die Qualifikation für die eingleisige Bundesliga bejubeln. Im Januar verkündet der ESC die sensationelle Reaktivierung von Torwartlegende Helmut de Raaf. Als Endrunden-Zweiter ziehen die Moskitos in die Playoffs ein, scheitern aber gleich im Viertelfinale am späteren Vizemeister Bad Nauheim. In dieser Spielzeit können die Essener " mit zwei Rekordzahlen aufwarten: Im Sonderzug nach Garmisch begleiten mehr als 1000 Fans ihre Kufen-Cracks, und insgesamt 110.000 Zuschauer besuchen die Heimspiele am Westbahnhof. Das Meisterjahr 98/99 beginnen die Moskitos mit der spektakulären Verpflichtung von Peter Draisaitl. Das traditionelle Open Air versinkt diesmal im Regen. Trotzdem kommen 5000 Besucher, um die neue Mannschaft zu beschnuppern. Diesmal gehen die Moskitos als Top-Favorit an den Start und werden ihrer Favoritenrolle vollauf gerecht. Der Titelgewinn nach fünf hart umkämpften Endspielen gegen den EC Bad Nauheim und die Aufnahme in die DEL sorgen dafür, dass die Korken am Westbahnhof kräftig knallen. Auch die Moskito-Junioren und die 1. Skater-Mannschaft dürfen jubeln, beiden gelingt der Klassenerhalt in der Bundesliga. Zudem schafft das Jugendteam den Sprung in die Bundesliga Nord. Der Mitgliederstand nähert sich der fantastischen Marke von 1.500, und die Zuschauerzahl wird auf 125.000 hochgeschraubt. Wahrlich eine fünfjährige Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht. So kann's weitergehen!

Moskitos wurden der Favoritenrolle gerecht


Als „We are the Champions" durch die Lautsprecher dröhnte, verdrückten Spieler, Vorstand und Fans so manches Freudentränchen. Minuten zuvor hatte Peter Draisaitl den entscheidenden Penalty im fünften Finalspiel gegen den EC Bad Nauheim versenkt und Radek Toth die Stürmer des Kontrahenten zur Verzweiflung gebracht. Kollektiver Jubel und befreiende Freudenschreie, das große Ziel war erreicht, die Bundesliga-Meisterschaft den Moskitos nicht mehr aus den Händen zu reißen. Traumhaft, einfach traum-haft! Eine feucht-fröhliche Riesenparty rund um den West-bahnhof konnte steigen. Der Favorit hatte einer erfolgreichen Saison das Sahnehäubchen aufgesetzt. Alles in allem präsentierten sich die Moskitos in der Tat als ein absolut verdienter und würdiger Titelträger.

Doch der Reihe nach. Gleich zu Beginn fand sich die neue Essener Mannschaft erstaunlich schnell, dominierte bereits in der Vorrunde und festigte den Platz an der Sonne. Auch in der Meisterrunde gaben sich die Essener kaum eine Blöße. Der verdiente Lohn: Sie eroberten ungefährdet Rang eins und durften somit mit der günstigsten Ausgangsposition in die Play-offs gehen. Dabei setzte der ESC Maßstäbe. An erster Stelle natürlich Radek Toth. Die wenigsten Gegentore und ein Shut out nach dem anderen rissen die Fans zu Begeisterungsstürmen hin. Doch die größte Stärke des Favoriten war wohl die Ausgeglichenheit und die Konstanz, mit der Kapitän Bodo Müller-Boenigk und seine Mitstreiter auftraten. Häufig ging es in den Spielen recht eng zu. Doch die Moskitos behielten fast immer eine geradezu stoische Ruhe und verließen das Parkett regelmäßig als Gewinner. In den Play-offs setzten die Essener ihre triumphale Serie fort. Dabei boten die Gegner im Viertel-und Halbfinale allerdings erbitterten Widerstand. sowohl der SC Riessersee als auch der EHC Freiburg wurden zwar glatt mit 3:0 Siegen bezwungen. Dennoch ging's jeweils recht eng zu. So mußten sich die Moskitos beispielsweise in Freiburg bis ins Penaltyschießen zittern, ehe Radek Toth und Peter Draisaitl (wer sonst?) die zahlreich mitgereisten Essener Fans erlösten. Dann das große Finale, in dem sich die Nummer eins und Nummer zwei der Meisterrunde gegenüberstanden. Spannung pur war angesagt. Der ESC gewann seine ersten beiden Heimspiele mit 3: 1 und 3:2. Die Rauhbeine aus der Wetterau ließen sich vor heimischer Kulisse ebenfalls nicht lumpen und entschieden Partien mit den gleichen Resultaten für sich. Noch in böser Erinnerung: die üble Attacke von Nauheims Stürmer Olaf Scholz, mit der er Radek Toth im vierten Spiel brutal niederstreckte. Der Einsatz des Ausnahmetorhüters für den Showdown am Westbahnhof schien wegen einer ebenso heftigen wie schmerzhaften Nierenprellung mehr als gefährdet zu sein. Doch unser Publikumsliebling biss auf die Zähne und lieferte den Stoff für eine Heldengeschichte.

Die reguläre Spielzeit und die Overtime waren von großer Nervosität geprägt. Die Kontrahenten belauerten sich und warteten auf Fehler, um entscheidend zuzuschlagen. Folglich gab es zwar eine nervenaufreibende Partie, doch am Ende stand eine Nullnummer. Hitchcock hätte es nicht besser inszenieren können, der Titel musste im Penaltyschießen vergeben werden. Im Stile eines Klassemanns schüttelte Peter Draisaitl sein WM-Trauma ab. Der Routinier düpierte Nauheims Schlussmann Bibi Appel nach allen Regeln der Kunst und lupfte die Hartgummischeibe unnachahmlich zum entscheidenden 1 :0 in die Maschen. Und als sich dann der „Eishockey-Gott" zwischen den Essener Pfosten zum fünften Penalty fertigmachte stockte sämtlichen Zuschauen am restlos ausverkaufte1 Westbahnhof der Atem. Der später des Dopings überführte Daniel Del Monte lief an Radek parierte und verwandelte die Eissporthalle in ein lila grünes Jubelmeer. Hunderte von Fans tanzten mit unsere Kufen-Cracks auf dem glatten Parkett, während Bode Müller-Boenigk die Trophäe entgegennahm und stammelte: „Unglaublich, einfach unglaublich." Nach nur fünfjähriger Vereinsgeschichte hatte der ESC den Gipfel erklommen, das Tor zur Traumliga DEL aufgestoßen. Einfach märchenhaft. Nochmals Gratulation, Ihr habt's Euch verdient!

Schiemann: "Wir fangen ganz unten an" Präsident bittet um Geduld


Zuversichtlich ja, euphorisch keineswegs! ESC-Präsident Thomas Schiemann ist auch nach dem Sprung in die DEL auf dem Teppich geblieben. „Wir fangen wieder ganz unten an. Das wird ein Jahr der Tränen", meint der Moskitos-Chef. Er glaube, dass die Essener Mannschaft in der Premieren-Saison jede Menge auf die Mütze bekommen werde. „Aber wenn die Anhänger merken, dass unser Team um jeden Meter kämpft, wird auch jeder Punkt frenetisch gefeiert werden", glaubt Thomas Schiemann.

Der ESC habe nach dem großen Wurf einen anderen Weg eingeschlagen als die meisten DEL-Klubs: ,,Nach einem Aufstieg wird meistens eine komplett neue Mannschaft verpflichtet. Wir haben im Team eine gewisse Konstanz und den Großteil aus der letzten Saison auch behalten", betonte Schiemann. Bis auf Andreas Pokomy, der leider nicht gehalten werden konnte und nach Düsseldorf abwanderte, blieben alle anderen Leistungsträger bei der Stange.

Aber nicht nur sportlich gesehen steht der ESC vor einer schwierigen Spielzeit. Auch in finanzieller Hinsicht müssen gewaltige Kraftanstrengungen unternommen werden. ,,Noch haben wir unser Ziel lange nicht erreicht. Die meisten Sponsoren halten uns die Treue. Groß-Sponsoren oder Konzerne sind in Essen nur mühsam für eine Partnerschaft zu gewinnen." Das Trikot sei noch blank. Die ESC-Macher sind aber zuversichtlich, bis zum Meisterschaftsauftakt am 10. September einen Partner gefunden zu haben. Am Montag ist der Präsident wieder für ein anderes Projekt unterwegs. Arena Essen. In Düsseldorf stellt er NRW-Wirtschaftsminister Peer Steinbrück die Planungen vor.

   

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.