Das war die Saison 1995/1996


Essen spielt Iserlohn an die Wand


Trotz spiegelglatter Straßen wollten gut 4.000 Zuschauer das große Prestigeduell zwischen den Moskitos und dem Iserlohner EC sehen. Die Moskitos bestätigten eindrucksvoll die Form der letzten Spiele und fegten die Iserlohner völlig verdient mit 6:2 (2:1, 3:1, 1:0) vom Eis. Von Beginn an zeigten die Moskitos ihrem hochmotivierten Gegner, warum es in der Meisterrunde bislang nur dem ESC Wedemark gelang, zwei Punkte vom Westbahnhof zu entführen. Druckvoll wurde ein Angriff nach dem anderen auf das Gehäuse von Christian Berlin vorgetragen, wobei die Gäste aus Iserlohn stets durch Konter brandgefährlich vor dem Kasten von Thorsten Apel auftauchten. Zum Entsetzen der Essener Zuschauer wurde ein solcher Konter in der 10. Minute mit einem Iserlohner Tor abgeschlossen. Stefan Bäcker ließ Thorsten Apel mit einem Schuss in den Winkel kaum eine Abwehrmöglichkeit. Wer nun glaubte, die Iserlohner könnten wie in der Vorrunde mühelos beide Zähler mit nach Hause nehmen, wurde eines Besseren belehrt. Nur eine Minute später gelang dem wiederum stark aufspielenden Oliver Kasper nach Vorarbeit von Jiri Smicek und Pat Murray der vielumjubelte Ausgleich. Die 2:1-Führung für die Moskitos erzielte "Mister Bombastic" Eric Legros mit einem herrlichen "Bauerntrick"!

Im zweiten Durchgang wollten die Moskitos die Entscheidung. Sie drehten jetzt richtig auf und spielten den Gegner phasenweise an die Wand. Zunächst war es Jiri Smicek, der in der 24. Minute nach einem herrlichen Solo den Puck unhaltbar in den Winkel schlenzte. Die Essener spielten sich nun in einen wahren Spielrausch. Ein Doppelschlag innerhalb von 27 Sekunden bescherte den Moskitos eine verdiente 5:1-Führung. Das 4: 1 fiel aus einer sogenannten "Standardsituation", als die Gegenspieler abgeblockt wurden und Oliver Kasper völlig frei zum Schuss kam. Das S:1 für die Moskitos fiel nach einem blitzsauberen Konter, der von Jiri Smicek klug vorbereitet und von Christian Kohmann eiskalt abgeschlossen wurde indem er Torwart Berlin austanzte und den Puck mit der Rückhand in das leere Tor schlenzte. Wer weiß, welches Unheil nun über die Iserlohner hereingebrochen wäre, wenn nicht plötzlich Schiedsrichter Nowacyk die Essener Spieler Murray, Brockschmidt, Apel und Prusa wegen kleinerer Vergehen nacheinander vom Eis gestellt hätte. Die Sauerländer erhielten so noch einmal die Riesenchance ins Spiel zurückzufinden. In diesem Überzahlspiel konnte aber nur David Moore durch einen verdeckten Schlagschuss zum 2:5 Thorsten Apel bezwingen. Symptomatisch für das hervorragende Moskito-Spiel war es auch, dass man trotz der 3:5 Unterzahl mit zwei Stürmern brandgefährlich vor dem Gehäuse von Christian Berlin auftauchen konnte. Als dieses Unterzahlspiel überstanden war hatte man auch das Gefühl, dass an diesem Abend eigentlich nichts mehr anbrennen konnte. Genauso sahen es auch die Moskitos, die im letzten Drittel die Iserlohner durch geschicktes Passspiel nur noch laufen ließen. Aus einer verstärkten Abwehr spielte man sich noch einige Chancen heraus, doch in erster Linie schonten sich die Moskitos für das schwere Sonntags-Auswärtsspiel in Timmendorf. Einmal wurden die tollen Essener Fans, die ihren Mannschaft unermüdlich anfeuerten für ihren Einsatz jedoch noch belohnt, denn nach der Kombination des Tages, bei der der Puck wie an der Schnur gezogen durch die Essener Reihen lief, stand am Ende dieser Kette Pat Murray, der die Kelle nur noch hinhalten musste, nachdem Oliver Kasper und Eric Legros die Iserlohner Abwehr mit ihren "Schachzügen" komplett ausgeschaltet hatten. Großes Pech hatte an diesem Abend Gregor Wilk, der sich bei einem Check das Schlüssel-bein brach und für den Rest der Saison ausfällt.

Trainer Jan Benda sagte in der anschließenden Pressekonferenz, dass an diesem Abend die Leistungsträger die Partie mit ihrer eiskalten Chancenauswertung entschieden hätten. Benda's Trainerkollege Peter Gailer war dagegen mit der Leistung seiner Mannschaft sehr unzufrieden und beklagte vor allem die mangelhafte Torausbeute der letzten Wochen. Der Sieg der Moskitos wurde von Peter Gailer allerdings neidlos anerkannt.

Unser heutiger Gegner: ESC Wedemark


Direkt zum Auftakt der Meisterschaftsrunde der 1. Liga Nord haben die Moskitos eine ganz harte Nuss zu knacken, denn heute stellt sich zum zweiten Mal in dieser Saison das absolute Top-Team der Vorrunde, der ESC Wedemark am Westbahnhof vor. Top-Team?! Warum? Ein einziger Blick auf sämtliche Statistiken der Vorrunde der 1. Liga Nord beseitigt alle Zweifel. In der Topscorer-Liste beispielsweise werden die ersten drei_ Plätze von Mitchell, Soccio und West belegt, des Weiteren führt Larry Mitchell die Torjägerliste souverän an, während Soccio, Cummins sowie West die meisten Assistpunkte auf ihrem Konto haben. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Wedemark mit seinem überragenden Überzahlspiel die größte Torausbeute der Liga erzielte. Zu 43% klingelte es im gegnerischen Kasten. Deshalb haben die Moskitos heute nur mit einer absolut disziplinierten Leistung mit möglichst wenig Strafzeiten die Chance auf einen Sieg. Neben dem "eingedeutschten" Kanadier Larry Mitchell, der in der nächsten Saison aller Voraussicht nach das Trikot der Krefelder Pinguine tragen wird stehen mit Len Soccio und Joe West noch zwei weitere Kanadier in Diensten der Niedersachsen. Joe West, der in der letzten Saison von Wedemark nach Heilbronn wechselte, dort aber nie so richtig heimisch wurde, kehrte in dieser Saison an seine alte Wirkungsstätte zurück.

Noch vor Beginn der Vorrunde wollte Trainer Kevin Gaudet nichts von einer Favoritenrolle seines ESC Wedemark wissen. Inzwischen muss sich der ESC Wedemark allerdings für die Meisterschaftsrunde und für die sich anschließenden Playoffs mit der Favoritenrolle abfinden. Mit diesem hervorragenden Spielerpotential dürfte es den Niedersachsen aber auch nicht schwerfallen, diese Position zu behaupten. Lazlo Csata, der heute das Trikot des ESC Wedemark trägt, war auch schon für den EHC Essen-West 83 aktiv und schnürte in 1991/92 die Schlittschuhe für den damaligen EHC.

Bereits im Hinspiel schafften die Moskitos eine faustdicke Überraschung. Mit dem Nationalstürmer Jan Benda Junior traten die Moskitos ihr Heimspiel gegen den ESC Wedemark an und gewannen es verdient mit 7:4. Nach einer konzentrierten Leistung in der Anfangsphase kamen die Essener immer besser in Fahrt und Eric Legros konnte bei einem 5:3-Überzahlspiel ein tolles Anspiel von Oliver Kasper per Schulabschluss in den Winkel zum 1:0 nutzen. Im zweiten Drittel verlegten die Essener ihr Spiel auf schnelle Konter. Wieder war es zweimal der überragende Eric Legros, der die Moskitos mit 3 :0 in Führung schoss. Nach dem 4:1 durch Pat Murray kamen die Essener aber noch einmal stark in Bedrängnis, da der ESC Wedemark binnen zwei Minuten auf 3:4 verkürzen konnte. In dieser wichtigen Phase des Spiels gelang dann ausgerechnet Jan Benda Junior das entscheidende Tor zur 5:3-Führung, die sich die Essener nun nicht mehr aus der Hand nehmen ließen. Die Niedersachsen kamen zwar noch einmal auf 5:4 heran, doch Eric Legros und Oliver Kasper besiegelten mit ihren Toren die erste und zugleich höchste Saisonniederlage des ESC Wedemark. Vielleicht gelingt den Moskitos ja zum heutigen Auftakt der Meisterschaftsrunde mit einem begeisternden Essener Publikum im Rücken eine ähnliche Überraschung. Mit oder ohne Jan Benda Junior?!

ESC mit einer Kufe in den Playoffs - Moskitos treten im Sauerland wie verwandelt auf


Die Trophäe, die Jan Benda überreicht bekam, war schlicht, aber sie stand für einen Sieg von unschätzbarem Wert: Nach dem famosen 6:3 (0:2, 3:1, 3:0) Erfolg beim Iserlohner EC schenkten die Sauerländer Fans dem Trainer des ESC Moskitos eine Fliegenklatsche. Damit wurde die Kapitulation der „Lach-und Schießgesellschaft" vom Seilersee, die sich seit Wochen auf den immergrünen Hit gegen die Rivalen aus Essen mit markigen Sprüchen eingestimmt hatte, symbolisiert. 5.000 Sauerländer trotteten frustriert nach Hause, denn die Partie bot wenig Zündstoff für ein „viertes Drittel" am Stammtisch oder Tresen. Keine strittigen Entscheidungen, keine verpassten Chancen. Nur zerplatzte Träume. Denn die Moskitos traten in der bebenden, fremden Halle derart "abgezockt" auf, dass niemand so recht glauben mochte, dass beinahe dieselbe Mannschaft noch zwei Tage zuvor daheim gegen Bad Nauheim 0:6 untergegangen war.

 

 

   

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.