Das war die Saison 1992/1993


Eishockey in Essen, ein ständiges Auf und Ab: Der EHC Essen West wird zehn Jahre alt


Seit 1983 existiert der EHC Essen-West 1983. Der Eishockey-Zweitligist ist somit eine feste Institution im Essener Westen. Seine zehnjährige Geschichte ist gekennzeichnet durch ein stetes Auf und Ab. Sportlicher Erfolg oder Misserfolg und die finanzielle Situation des Vereins gingen dabei meist Hand in Hand. Gegen Ende des vergangenen Jahres sah es so aus, als ob der EHC sein zehntes Jahr nicht mehr erleben sollte. Dank des neuen Hauptsponsors, der Opti-Wert-lnvest AG, befindet sich der Verein jedoch auf dem Weg der sportlichen und finanziellen Gesundung.

Am 16. September 1983 bekam der aus dem alten EHC Essen hervorgegangene Club vom Westbahnhof vom Deutschen Eishockeybund grünes Licht für einen Start in die damals zweigeteilte 2.Bundesliga. Unter Trainer Ricki Alexander stellten die Essener die Überraschungsmannschaft der Liga überhaupt und verpassten nur denkbar knapp den Aufstieg ins Eishockeyoberhaus. Dave lnkpen, Craig Topolnisky, Jan Benda, Earl Spry, Bruce Hardy und Gordon Blumenschein waren neben zahlreichen anderen festen Größen die Garanten des Erfolgs. Der EHC belegte am Ende der Relegationsrunde zur 1.Bundesliga Platz drei hinter den Bundesligisten aus Riessersee und Iserlohn, vor dem ewigen Rivalen aus Duisburg.

In der Spielzeit 84/85 spielte das Team vom Westbahnhof in der 1.Bundesliga. Die Zugehörigkeit zum Oberhaus des deutschen Eishockeys war durch das finanzielle Ausscheiden des ERC Freiburg möglich geworden. Der EHC war als Dritter der Relegationsrunde der Saison 83/84 automatisch Nachrücker. Obwohl viele Leistungsträger den Verein verlassen hatten, wagte die Vorstandschaft um Rainer Bäumker den Sprung in die Erstklassigkeit, um schon bald feststellen zu müssen, dass die eigene Mannschaft in keiner Weise konkurrenzfähig war. Auch der Austausch von Trainer Heinz Zerres gegen Richard Piechutta konnte den sportlichen Fall in die Zweitklassigkeit nicht bremsen.

Dieser Fall war auch in der Spielzeit 85/86 nicht zu stoppen. Rick Swan, Tim Krug, Dave Hathaway, Sepp Rottluff und Co. spielten unter ferner liefen mehr schlecht als recht mit. Zuhause verschaffte man den Fans noch das eine oder andere Erfolgserlebnis, auswärts dagegen war mit der Mannschaft kein Staat zu machen. Trainer Gerd Möllering wurde schon im Laufe der Vorrunde vor die Tür gesetzt. Jan Opial übernahm das schwierige Amt an der Bande. Mit der sportlichen Misere ging die finanzielle einher. So manch gut bezahlter Akteur wurde nur noch zu Zahltagen am Westbahnhof gesichtet. Der Abstieg in die Oberliga war die bittere Konsequenz.

Dass der sofortige Wiederaufstieg gelang, war vorwiegend der Verdienst von Rod Heisler. Als Trainer hatte er die Saison 86/87 am Westbahnhof begonnen. Nach dem Weggang von Brian Jokat wurde der Kanadier an der Seite von Henry Marcoux selbst aktiv. Mit Beginn der Qualifikationsrunde übernahm Hans Potzgruber das Traineramt. Mitgerissen von der 100%igen sportlichen Einstellung Heislers gelang der "Mannschaft der Unbekannten" der Sprung in die 2.Bundesliga.

Peter Ustorf war der Mann, der dafür sorgte, dass sich der EHC im Eishockeyunterhaus schnell etablierte und mit zu den Spitzenteams gezählt werden musste. Die Spielzeiten 87 /88 und 88/89 können sportlich als recht erfolgreich betrachtet wer-den. Spry, Ledock, Simon, Gai, Reiss, Vorlicek und Brown sind nur einige der wohlklingenden Namen, die im Essener Westen zu dieser Zeit aktiv waren.

Das Jahr eins nach Ustorf war ein Jahr der sportlichen Stagnation, obwohl man die Qualifikationsrunde zur 1.Bundesliga erreichte. Trainer Georg Kink baute auf eine Vielzahl von jungen, hungrigen Spielern. Seine Marschroute schien ihm anfangs Recht zu geben. Mit Bruce Eakin und Darin Sceviour verpflichtete man zudem zwei starke Ausländer. Als Kink sich mit der Mannschaft entzweite, gab es auch sportlich einen Bruch. Hannu Koivunen löste Kink ab.

Die Saison 90/91 stellt den Beginn einer langwierigen finanziellen Misere dar, die eigentlich bis zum heutigen Tage angehalten hat. Auch in dieser Spielzeit erreichte man die Aufstiegsrunde, wenn auch erst nach einem abermaligen Trainerwechel, Potzgruber kam für Tore Hedwall, der um seine Ablösung gebeten hatte. Die Entscheidung über die Teilnahme an der Relegationsrunde fiel erst in den letzten beiden Spielen der Vorrunde. Der EHC gewann in Kassel und Duisburg. Zahlreiche Querelen und zum überwiegenden Teil indiskutable sportliche Leistungen ließen Begeisterung und Zuschauerzahlen am Westbahnhof schwinden.

In der vergangenen Spielzeit stand der EHC erstmals vor dem finanziellen Kollaps. Mit Herzig, van Hauten, Siitarinen, Gailer und Weise gaben sich gleich fünf Berufskollegen in Essen-West die Klinke in die Hand. Zudem konnte die Per-sonalpolitik des Vorstandes nicht gerade als geglückt bezeichnet werden. Viele Querelen innerhalb der Mannschaft, und des Vorstandes sorgten in der Öffentlichkeit für ein absolutes Negativimage. Erst im letzten Spiel gelang dem EHC der Klassenerhalt und gleichzeitig die Qualifikation für die eingleisige 2.Bundesliga, und dass ausgerechnet beim ECD Sauerland. Die laufende, zehnte Spielzeit des EHC Essen-West wäre mangels finanzieller Masse beinahe schon im Dezember zu Ende gewesen. Doch dank des neuen Hauptsponsors, der Opti-Wert-lnvest AG, wird in der Essen-Wester Eissporthalle weiterhin Bundesliga-Eishockey gespielt. Der Verein scheint sich mit dessen Hilfe auf dem Wege zur finanziellen Gesundung zu befinden. Wenn die wirtschaftliche Basis stimmt, wird es auch sportlich wieder aufwärtsgehen

Im Gespräch mit Gordon Blumenschein - Wichtig ist mir, ein kompaktes Team zu haben


Viele Essener Fans werden Dich noch aus vergangenen Tagen kennen. Ich erinnere mich da an ein Spiel in der 1. Liga gegen Mannheim, als ihr nach dem 2. Drittel 3:7 zurücklagt und dann doch noch 8:7 gewinnen konntet. Ich glaube, Du warst der Schütze des Siegtreffers.

Ja, ich glaube das werde ich nie vergessen. Drei Wochen zuvor hatten wir in Mannheim haushoch verloren und dann das Spiel hier, da schwärmen heute noch sehr viele von. Die Saison an sich war natürlich schlecht. Da wurden im Vorstand zuvor Fehler gemacht. Anstatt nach dem Aufstieg die Mannschaft zu verstärken, ließen sie wichtige Spieler gehen und holten kaum etwas dafür. So waren wir nur eine mittelmäßige Zweitligamannschaft, die aber in der Bundesliga antreten musste.

Und nun bist Du wieder in Essen gelandet, diesmal jedoch als Trainer.

Ja, vielleicht ist das so etwas wie Schicksal. Immerhin habe ich hier in Essen meine Eishockeykarriere in Deutschland gestartet und vielleicht, wenn alles gut läuft, werde ich sie hier beenden.

Im Vorfeld gab es einige Probleme mit Deiner Trainerlizenz.

Das ist zum Glück vorbei. Ich habe vor ein paar Tagen die Prüfung abgelegt und auch schon mein Zeugnis bekommen, übrigens mit der Note 1.5. Jetzt warte ich nur noch auf die offizielle Bestätigung vom DEB.

In Bad Nauheim warst Du noch Co-Trainer neben Herrn Rosenbeker?

Offiziell ja, aber im Grunde habe ich das Training und die Vorbereitung geleitet. Laut Eishockeybund musste aber jemand mit der Lizenz als Trainerfungieren und das war dann auf dem Papier Herr Rosenbeker.

Im letzten Jahr gab es noch viele Probleme, weil unser Trainer zu Beginn der Saison, Herr Herzig, keinen Einfluss auf die Zusammenstellung der Mannschaft hatte. Wie war das dieses Jahr?

Okay, natürlich waren uns finanziell Schranken gesetzt. Ich habe versucht ein Team zusammenzustellen, was nicht nur aus Talenten, sondern auch aus Kämpfern besteht und vom Charakter her zusammenpasst.

Das ist im Grunde auch das, was man von Euch in den Vorbereitungsspielen gesehen hat.

Ja, aber man muss da vorsichtig sein. Im letzten Jahr hat Essen sehr gute Freundschaftsspiele gemacht, doch danach wurde es immer schwächer. Da wurde der Druck durch die Erwartungshaltung von außen auf die Mannschaft sehr groß, und als es dann nicht so lief, gerieten alle in Panik und jeder schob die Schuld auf die Anderen. Da hat man dann kaum noch eine Chance wieder Ruhe in das Team zu bekommen.

Bisher hast Du die Vor-bereitungsspiele genutzt, um die Reihen immer mal wieder umzustellen. Hast Du jetzt eine feste Vorstellung, wie Du die Blocks zusammenstellen wirst?

Natürlich noch nicht hundertprozentig, aber ich habe da schon meine Vorstellung. Wichtig ist mir, ein kompaktes Team zu haben, und nicht nur eine überragende Reihe, die die anderen mit durchzieht.

Interview mit Bruche Eakin - Es ist schön, wenn sich die Fans an deinen Namen erinnern


Bruce Eakin war für zwei Jahre der Star am Essener West-bahnhof. Nach Abschluss der 1. Saison erhielt der sympathische Kanadier gleich vier Pokale. In dieser Saison steht er bei dem Bundesliga-Neuling Krefelder EV unter Vertrag. Wir unterhielten uns nach dem Freundschaftsspiel des KEV gegen den EHC Essen-West mit dem "EG-Kanadier".

Bruce, was ist das für ein Gefühl gegen den EHC Essen-West zu spielen?

Es ist ein sehr gutes Gefühl. Ich war sehr nervös, als die Essener Fans meinen Namen riefen. Ich wusste nicht so recht, ob ich auf die Krefelder oder Essener Seite schauen sollte. Aber es ist ein schönes Gefühl, wenn die Fans deinen Namen rufen und sich an dich erinnern.

Es war in einer bekannten Sportzeitung zu lesen, dass Du in dieser Saison auch in Essen im Gespräch warst.

Ja, das ist korrekt. Ich sprach mit Gordon Blumenschein. Ich habe die Angelegenheit so verstanden, wenn ich nicht meinen EG-Pass bekommen würde, wäre es möglich gewesen wieder nach Essen zu kommen, zusammen mit Greg Evtushevski.

Du spielst nun mit dem KEV in der 1. Bundesliga. Ich denke, dass das eine prima Sache für Dich ist.

Ja, es ist sehr aufregend. Ich habe vorher noch nie in der 1. Liga gespielt. Es ist schneller. Die Spieler sind besser. Wir haben eine Menge Kanadier denen dieses Spiel liegt. Außerdem haben wir einen guten Torwart. Alles in allem sind wir ein prima Team und ich denke alles ist okay.

Meinst Du, dass Ihr Deutscher Meister werden könnt?

Nein, ich denke nicht (lachend). Ich hoffe es natürlich. Man versucht immer so gut zu spielen wie man nur kann. Aber ich denke der KEV geht in die richtige Richtung. Ich hoffe es geht immer weiter aufwärts. Vielleicht, wer weiß, sind wir in zwei oder drei Jahren Deutscher Meister.

Im letzten Jahr hast Du für Nürnberg gespielt. Wie war die Zeit dort?

Es war keine glückliche Zeit. Zu Beginn lief alles optimal. Ich dachte, dass ich gut spiele. Ich war der führende Torschütze. Dann habe ich mich an der Schulter verletzt. Dazu kam der Trainerwechsel. Er hatte etwas gegen kanadische "Ausländer". Wir hatten dann etwas Ärger. Es war wirklich keine Zeit, an die ich mich gerne erinnere.

Also ist Joschi Golonka nicht Dein bester Freund?

Das ist vorbei. Ich bin in der 1. Liga. Er ist immer noch in der 2. Liga. Er musste als Trainer die Entscheidungen treffen und er entschied, dass ich nicht spiele. Trotzdem meine ich, dass ich gut gespielt habe. Ich sprach auch mit Spielern aus dem Team darüber. Sie meinen ebenfalls, dass es sehr unfair war. Aber das ist vorbei und ich schaue in die Zukunft.

Du bist nun verheiratet?

Ja, glücklich verheiratet seit 13 Monaten (strahlend). Wenn man jung verheiratet ist, weiß man ganz genau wie lange man verheiratet ist. Wenn man 10 oder 15 Jahre verheiratet ist, kann es mal passieren, dass man es vergisst (lachend).

Ihr habt Euch ein Haus in Kanada gebaut?

Ja, wir haben ein Haus am See gebaut. Wir haben dafür den ganzen Sommer gebraucht. Es war mehr Arbeit als wir dachten, aber es war sehr interessant und man kann eine Menge dabei lernen. Nun ist es fertig und ich hoffe, dass wir uns nächsten Sommer dort ausruhen können.

Hast Du noch Kontakt zu Darin Sceviour?

Nein. Ich habe mit Leuten gesprochen die sich für mich umgehört haben. Ich glaube er arbeitet jetzt für eine Company. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich meine, dass er auch kein Eishockey mehr spielt. Er hatte Ärger mit seinem Hund.

 

 

   

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.